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21.12.2002 - "Die weiblichen Abgeordneten im Deutschen Bundestag wurden arg enttäuscht:"

Richard Geres Auftritt in Berlin musste aus terminlichen Gründen ausfallen. Gere hofft jedoch, die Befragung zu einem späteren Zeitpunkt durchführen zu können ! Ein Interview und Richard Geres Laufbahn:

2. Gala, Nr. 18, 2002:

Richard Gere: "Es ist mir egal, wie ich auf Frauen wirke"

von Julide Tanriverdi

Eigentlich sollte er diese Woche vor dem Deutschen Bundestag erscheinen und über sein Lieblingthema reden: Tibet. Denn Richard Gere ist bekennender Buddhist und hat schon vor Jahren eine Stiftung gegründet, mit der er das Himalajavolk unterstützt. Die weblichen Bundestagsabgeordneten gerieten in helle Aufregung, endlich sollten sie den Superstar aus "Pretty Woman" einmal aus der Nähe sehen. Doch es kam anders, Richard Gere sagte ab. GALA traf ihn in New York, wo er seinen Film "The Mothman Prophecies" (Start: 25. April; Filmkritik siehe S. 79) vorstellte. Und wir können bestätigen: Er ist wirklich so attraktiv, wie man ihn sich vorstellt. Wenn er lacht, blitzen weiße Zähne, rund um die Augen erscheinen charmante Fältchen. Und wenn er mit sanfter Stimme zu sprechen beginnt, schmelzen tatsächlich alle Frauen dahin.

Gala: Die Damen im Bundestag sind sehr enttäuscht, dass Sie nicht nach Deutschland kommen. Warum haben Sie abgesagt?

Richard Gere: Ich wäre wirklich sehr gern gekommen. Aber leider habe ich andere Verpflichtungen. Ich muss meinen anderen neuen Film "Unfaithful" promoten, der in den USA am 10. Mai anläuft. Aber ich hoffe, dass ich einen anderen Termin in Deutschland bekommen.

Gala: Sie setzen sich seit vielen Jahren für Tibet ein. Glauben Sie, dass Ihre Prominenz Ihnen dabei hilft?

Gere: Meinen Filmen verdanke ich viel Einfluss und Geld. Und ohne diese Dinge lässt sich in dieser Welt sehr wenig bewegen. Die Filme finanzieren meine Stiftung, die Richard Gere Foundation. Sie ermöglichen mir, mich für das einzusetzen, woran ich glaube. Andernfalls müsste ich jeden Tag hundert Telefongespräche führen und ständig zu Dinner gehen, um Geld zu sammeln.

Gala: Das klingt fast so, als ob die Filme für Sie nur Mittel zum Zweck sind. Haben Sie schon mal daran gedacht, mit dem Drehen aufzuhören?

Gere: (lacht) Klar. Sehr oft. (----)

Gala: Haben Sie nach den Anschlägen vom 11. September Angst um die Zukunft Ihres Sohnes?

Gere: Es war ein schwieriger Moment für alle. Ich lebe in New York, und unser Leben hat sich seitdem sehr verändert. Man möchte so vieles sagen, und doch fehlen die Worte.

Gala: Sie haben aber etwas gesagt: Bei einer Benefizveranstaltung für New York plädierten Sie für Liebe statt Hass und wurden dafür ausgebuht...

Gere: Das war ein sehr emotionaler Moment für die Menschen, deshalb habe ich die Reaktion verstanden. Ich habe selbst einen Freund bei der Tragödie verloren. Mein erster Gedanke war: Wir müssen diese Kerle kriegen! Ich hatte die Vision, dass wir sie alle an die Wand stellen und mit einer Maschinenpistole hinrichten.

Gala: Das klingt aber gar nicht nach Richard Gere - und auch nicht sehr buddhistisch.

Gere: Ist es auch nicht. Ich verstehe nur solche Impulse, auch als Buddhist hat man sie. Man lernt allerdings, diesen Impulsen nicht nachzugeben. Bis man mit der Zeit zu einem ganz neuen Verständnis kommt. Das passiert aber nicht einfach so (schnippt mit den Fingern).

Gala: Sie wurden als unamerikanisch beschimpft.

Gere: Ich habe das nicht übel genommen. Obwohl es nicht unamerikanisch ist, Mitgefühl zu zeigen. Und es ist auch nicht unamerikanisch, von einem System zu träumen, das alle Menschen gleich behandelt. In einer solchen Zeit ist es sehr schwer, die richtigen Worte zu finden, ich habe auch kein besonders Talent dazu. Aber ich bin trotzdem froh, dass ich es gesagt habe.

Gala: 1993 haben Sie bei der Oscar-Verleihung die chinesische Regierung kritisiert und wurden daraufhin von der Veranstaltung ausgeschlossen. Sie sagen offenbar häufig, was Sie denken - ohne Rücksicht auf die Konsequenzen. Haben Sie keine Angst, Ihrer Karriere zu schaden?

Gere: (lacht) Es gibt Dinge, die gesagt werden müssen. Und bisher klappt das ja ganz gut mit der Karriere! (----)


Saarbrücker Zeitung, 25.4.02:
Mann für gewisse Stunden

"SZ"-Serie "Unsere Leinwand-Helden": Heute Richard Gere - Buddhist mit Kampfeswillen

- Von DOMINIQUE ROSSI -

New York. Er ist der typische Jungmädchenschwarm, der Traummann von Hollywood. Was für die meisten seiner Kollegen ein höchst erstrebenswertes Ziel wäre, hat Richard Gere stets belastet. Denn gerade dieses Image hat seine Karriere immer überschattet. Zu oft legt man ihn auf Rollen-Klischees fest. Mit Paul Schraders "American Gigolo - ein Mann für gewisse Stunden" beginnt das 1980, obwohl Gere hier als Partner von Lauren Hutton außer Charme auch Spielvergnügen an den Tag legt. Der attraktive junge Fabrikarbeiter, der seinen Boss im Handgemenge erschlagen hat, findet im Süden der Staaten Arbeit und Brot. Doch sein Chef, der freundliche Farmer, verliebt sich in die Freundin, die der junge Mann als Schwester ausgegeben hat. So gerät er wieder in Konflikt. Es war die erste große und eine typische Rolle für Gere, mit weitreichenden Folgen, denn der "Mann für gewisse Stunden" ist fest in den Hinterköpfen der Kino-Fans verankert. Dabei steckt hinter dem 1949 in Philadelphia geborenen Schauspieler weitaus mehr als nur der ewige Schönling.

Er wäre fast Musiker geworden; als Schüler spielte er etliche Instrumente, unter anderem Luftgitarre. Dann verließ er doch die High School, um Schauspieler zu werden. Gere begann seine Karriere an der University of Massachusetts, wo er im Hauptfach Philosophie studierte. Nach einigen Spielzeiten, etwa am Provincetown Playhouse und am Seattle Repertory Theater,spielte er in einer Reihe von New Yorker Stücken. Bekannt wurde er vor allem durch die Broadway-Rockoper "Soon". Als klassischer Bühnenschauspieler kann Gere auf viele erfolgreiche Rollen zurückblicken. Sein Spielfilmdebüt gab er 1979 "In der Glut des Südens". Ein Jahr später, nach "American Gigolo", war sein Image als dauergrinsender Herzensbrecher perfekt. Dabei war ihm die Anerkennung der Theater-Kenner stets sicher. Immer wieder kehrte Gere in Filmpausen auf die Broadway-Bühne zurück und riss die Kritiker zu Begeisterungsstürmen hin. In seinem nächsten Kinofilm "Ein Offizier und Gentleman" aus dem Jahr 1982 verkörperte wieder den typischen Gigolo, den er ein Jahr später in "Atemlos" in unglaublicher Perfektion darstellte.

Weltruhm erlangte Richard Gere 1989 an der Seite von Julia Roberts. Die moderne Aschenbrödel-Ausgabe "Pretty Woman" voller Charme lockte weltweit Milliarden Menschen in die Kinosäle. In seinen jüngeren Streifen hat er auch Regie-Erfahrung gesammelt. Um sein Privatleben ranken sich bis heute die wildesten Gerüchte. Zahlreiche Affären wurden und werden ihm mit verschiedenen Filmpartnerinen nachgesagt. Gere hat sie stets dementiert, immer ohne Erfolg. Zu genau passt diese Bild in sein Image. Die spektakuläre Kurz-Ehe mit dem Top-Model Cindy Crawford tat ihr übriges. Böse Zungen behaupten, die Ehe sei bloß ein Werbegag der beiden Schönen gewesen. Dabei hat er die Schicki-Micki-Szene in Hollywood immer mit einer gehörigen Portion Distanz beobachtet. Mittlerweile ist der bekennende Buddhist Richard Gere für viele Politiker weltweit ein ernstzunehmender Ansprechpartner geworden. Als engagierter Kämpfer für die Menschenrechte hat Gere viel getan, um die Aufmerksamkeit der Welt auf die Tragödie in Tibet unter der chinesischen Okkupation zu lenken. Er ist Gründungsvorsitzender des Tibet House in New York. Vor dem Kongress-Ausschuß für Menschenrechte und dem "Senate Foreign Relations Committee on Tibet" hat er im Namen Tibets ausgesagt. Am 17. April sollte er sogar in dieser Frage vor dem Deutschen Bundestag in Berlin sprechen.

Doch vor wenigen Wochen sagte Gere ohne Begründung ab. Kritiker hatten ohnehin vermutet, Gere wolle mit dieser Aktion nur eine Werbekampagne für neue Projekte starten. Wer seinen langjährigen Einsatz für die Menschenrechte kennt, weiß, dass dieses Urteil weit an der Sache vorbeigeht. Aber es passt in das weit verbreitete Bild: Richard Gere ist eben der "Mann für gewisse Stunden".

 

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