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21.12.2002 - "Zwei Abgesandte des Dalai Lama in Peking und Lhasa"

dpa/HB PEKING. Der Sprecher des Außenministeriums, Kong Quan, bestätigte am Dienstag den Besuch von "zwei im Ausland lebenden Tibetern", denen als private Personen die Rückkehr nach China erlaubt worden sei. Sie könnten auch nach Lhasa reisen.

Hier finden Sie weitere Berichte zum Besuch:

Ob es Gespräche mit der Regierung in Peking und Lhasa geben werde, wollte der Sprecher nicht sagen. Er sprach vage von Verwandtenbesuchen und touristischen Ausflügen, fügte aber hinzu, die Gruppe habe "die Gelegenheit, Menschen auf allen Ebenen zu treffen und Ansichten auszutauschen". Sie sollten mit eigenen Augen die Entwicklung in Tibet sehen, sagte Kong Quanh.

Die tibetische Exilregierung lobte die Reise des Sondergesandten Lodi Gyaltsen Gyari sowie des Abgesandten Kelsang Gyaltsen, die mit zwei Begleitern reisen, als eine "positive Entwicklung in den Beziehungen zwischen dem tibetischen und chinesischen Volk", wie es in einer Mitteilung aus ihrem Exilsitz in Dharamsala in Indien hieß.

Der Sprecher des Außenministeriums warf dem Dalai Lama aber unverändert vor, mit der Unterstützung «antichinesischer Kräfte» weiterhin in separatistische Aktivitäten verwickelt zu sein. Er müsse anerkennen, dass Tibet ein Teil Chinas und Peking die rechtmäßige Regierung sei, dann könne es auch Diskussionen mit ihm geben, wiederholte Kong Quan die bekannte chinesische Position.

2. Frankfurter Rundschau, 11.09.02:

Vertreter des Dalai Lama besuchen erstmals Peking

PEKING, 10. September (rtr). Nach fast zehn Jahren ohne offizielle Kontakte mit der chinesischen Regierung sind zwei Vertreter des Dalai Lama zu Gesprächen in Peking eingetroffen. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter sei sehr erfreut über den Besuch der Gesandten, sagte sein Sprecher Tenzin Taklha am Dienstag im indischen Dharamsala. Dort lebt der Dalai Lama seit einem Aufstand gegen die chinesischen Besatzer 1959 in Tibet.

"Er hat immer versucht, eine Form des Dialogs mit der chinesischen Regierung zu beginnen", sagte Taklha. "Er strebt nicht nach der Unabhängigkeit (Tibets). Er strebt nach einem Mittelweg, und der ist echte Autonomie." Nach Angaben Taklhas werden die beiden Gesandten auch in die tibetische Hauptstadt Lhasa reisen.

Aus Diplomatenkreisen verlautete, dass sich in der chinesischen Regierung zurzeit gemäßigte Kräfte in der Tibet-Frage durchsetzten. Westliche Länder haben China in der Vergangenheit mehrfach aufgefordert, den Dialog mit dem Dalai Lama wieder aufzunehmen. Die beiden Seiten hatten seit 1979 direkte Kontakte, die aber 1993 beendet wurden.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.9.02:

Kontakte

pes. Es empfiehlt sich nicht, mit einem Bild des Dalai Lama im Gepäck nach China einreisen zu wollen. Aber die große Verkrampfung, die die Pekinger Führung befällt, wenn vom geistlichen und weltlichen Oberhaupt der Tibeter die Rede ist, könnte sich in Zukunft etwas lösen. Am Dienstag jedenfalls sind zum ersten Mal seit Jahren Abgesandte des Dalai Lama in die Volksrepublik gereist. Sogar der Besuch in der tibetischen Hauptstadt soll ihnen erlaubt werden. Zwar bemüht sich die chinesische Regierung, den Besuch der Vertreter des Dalai Lama herunterzuspielen und ihm jeglichen offiziellen Charakter abzusprechen. Aber die Kontaktsperre ist erst einmal aufgehoben. Wenn jetzt wieder etwas dazwischenkommt, dann ist es die Schuld Pekings. Der Dalai Lama jedenfalls ist nicht schon deshalb ein "Separatist" (wie China ihn zu nennen beliebt), weil er auf Menschenrechtsverletzungen in seiner Heimat hinweist. Außerdem hat er wiederholt hervorgehoben, daß er kein politisches Amt anstrebe. Seine Bereitschaft zum Dialog mit der chinesischen Führung hat sogar schon dazu geführt, daß ihm einige seiner Anhänger zu große Nachgiebigkeit vorwerfen. Wenn China eine Radikalisierung der im Exil lebenden Tibeter verhindern will, muß es auf den Friedensnobelpreisträger zugehen.


Focus Online, 10.9.02:

D as geistliche Oberhaupt der Tibeter streckt völlig überraschend seine Fühler gen China aus - zwei Abgesandte flogen nach Peking, die Hauptstadt des Erzfeindes. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums bestätigte am Dienstag den Besuch von "zwei im Ausland lebenden Tibetern", denen als private Personen die Einreise nach China erlaubt worden sei. Sie könnten auch nach Lhasa - die Hauptstadt Tibets - reisen.

Der Sprecher sprach vage von Verwandtenbesuchen und touristischen Ausflügen, fügte aber hinzu, die Männer hätten "die Gelegenheit, Menschen auf allen Ebenen zu treffen und Ansichten auszutauschen".

Die tibetische Exilregierung lobte die Reise von Lodi Gyaltsen Gyari und Kelsang Gyaltsen als eine "positive Entwicklung in den Beziehungen zwischen dem tibetischen und chinesischen Volk".

Hintergrund: China hatte das Himalaya-Reich Tibet Anfang der 50er-Jahre annektiert. Der Dalai Lama - damals noch ein Teenager - floh ins Exil nach Indien.

 

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