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21.12.2002 - "Die Organisation "Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières)" wird aufgefordert, Tibet zu verlassen"

Die unabhängige Hilfsorganisation Médecins Sans Frontières (MSF, Ärzte ohne Grenzen) hat den umstrittenen Entscheid getroffen, sich Ende Jahr aus Tibet zurückzuziehen, nachdem sie 14 Jahre lang mit TibeterInnen in humanitären und medizinischen Unterstützungsprojekten zusammen gearbeitet hatte. Das MSF Projekt zur Wasseraufbereitung wird von einer anderen Hilfsorganisation übernommen, nämlich vom Save the Children Fund. Ein Sprecher von MSF (MSF hatte 1999 den Friedens-Nobelpreis erhalten) sagte: "Die MSF-Flagge wird im Januar nicht mehr länger über Lhasa wehen."

Christopher Stokes, der Programmdirektor von MSF in Brüssel, erklärte: "Wir brechen unsere Einsätze in Tibet aus betrieblichen Gründen (vor allem bezüglich Arbeitskräften) ab; dennoch möchten wir die Tür offen halten, um vielleicht wieder zurückzukehren. Tibet ist eine schwierige Umgebung, um im Stile von MSF zu arbeiten. Wir beabsichtigen, unsere Aufmerksamkeit auf die Behandlung von Menschen mit HIV/AIDS in China zu richten."
Die Behörden üben eine strenge Kontrolle über die Aktivitäten aller ausländischen NGOs und Hilfsprojekte in den verschiedenen Regionen Tibets aus. Tibet hat eine der kleinsten NGO-Dichte in der Welt; was die Befürchtung hervorruft, dass der Rückzug von MSF einen Einfluss auf TibeterInnen haben wird, welche von dessen Projekten profitiert haben.Ein vielbeachtetes Forschungsprojekt zur Behandlung von Kashin-Beck (Gelenkdeformationen in Folge von Selen-Mangel) und andere MSF-Programme in Tibet werden unter der Aufsicht der europäischen Geschäftsstelle der neu gegründeten karitativen Organisation Terma weitergeführt werden.
Christopher Stokes, der Programmdirektor von MSF in Brüssel, erklärte: "Wir brechen unsere Einsätze in Tibet aus betrieblichen Gründen (vor allem bezüglich Arbeitskräften) ab; dennoch möchten wir die Tür offen halten, um vielleicht wieder zurückzukehren. Tibet ist eine schwierige Umgebung, um im Stile von MSF zu arbeiten. Wir beabsichtigen, unsere Aufmerksamkeit auf die Behandlung von Menschen mit HIV/AIDS in China zu richten." Einige der mehr als 50 in Tibet stationierten Angestellten (vornehmlich TibeterInnen) von MSF ­ sowohl TechnikerInnen, welche im Wasseraufbereitungsprojekt arbeiten, als auch medizinisches Personal ­ kommen wahrscheinlich bei anderen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in der Region unter. Das tibetische Personal des Kashin-Beck-Projekts wird von der Organisation Terma weiter beschäftigt. Es wird gesagt, dass der Entscheid, Tibet zu verlassen, nach einer Neuausrichtung der Strategie von MSF in dieser Region gefasst worden sei, und dass er in einem Zusammenhang stehe mit Schwierigkeiten, langfristige Angestellte zu finden und dem Transfer des Managements der MSF-Tibetprojekte von Lhasa nach Peking. Den Angestellten wurde von der Leitung erklärt, dass der Grund für diesen Entscheid sei, dass MSF sich um Nothilfemassnahmen kümmern sollte und nicht um langfristige Hilfe und Entwicklung. Der Entscheid bleibt jedoch auch innerhalb MSF umstritten.

MSF hat seit seiner Gründung durch eine Gruppe von französischen Ärzten im Jahre 1971 einen Ruf für Aktivismus wie auch für medizinische Unterstützungsprojekte erworben. Die Beziehung zwischen den Behörden in Tibet und MSF waren verschiedentlich angespannt, zum Teil wegen dem von der Hilfsorganisation verfolgten Auftrag, "unterstützende Positionen einzunehmen, wenn gefährdete Bevölkerungsgruppen ungerecht behandelt werden." Im Juni 1997 wurden zwei leitenden Mitgliedern des MSF Teams ihre Bewilligung kurz entzogen ­ chinesiche Regierungsvertreter sagten, dass die zwei Experten zu lange in Tibet gewesen seien. Ihnen wurde später ein teilweiser Zugang zur Region ermöglicht, nachdem leitende MSF-Mitglieder nach Lhasa geflogen waren, um das Thema zu diskutieren. In den vergangenen Jahren haben die Behörden in Tibet den geographischen Spielraum der MSF-Tätigkeit eingeschränkt und es war für die Hilfsorganisation schwierig, die Erlaubnis zur Durchführung von Projekten zu erhalten.

Die während Jahren bestehenden Schwierigkeiten mit den Behörden haben schliesslich zum Entscheid der Hilfsorganisation, Tibet zu verlassen, beigetragen. Ein Mitglied von MSF, das in Tibet arbeitete, liess verlauten, dass die Durchsetzung von Weisungen aus Peking zur Bezahlung von medizinischen Leistungen (in ländlichen Gebieten auch als CMS "co-operative medical system" bekannt) vor allem nach der Mitte der Neunzigerjahre zu einem ständig wachsenden Druck auf MSF geführt habe. Er sagte: "In einigen Fällen versuchten die Behörden, uns zur Durchsetzung dieser Politik zu gebrauchen, und daneben wurden uns in unserer Arbeit auch andere Einschränkungen auferlegt." Mindestens ein Mal wurde MSF darauf hingewiesen, dass die Erlaubnis zur Durchführung von Projekten davon abhänge, dass sie bereit seien, das CMS-System einzuführen; denn dieses habe laut Behörden oberste Priorität. MSF hatte sich für ein einfacheres System eingesetzt, wie beispielsweise die Abgabe von lebensnotwendigen Medikamenten. Dasselbe Teammitglied erklärte auch, dass die Anweisungen aus Peking der Situation in den tibetischen Regionen nicht angepassst sei, und dass der fehlende "kommunale Ansatz" ("community approach") Schwierigkeiten im Austausch betreffend Gesundheitsfragen verursacht habe. Auch Korruptions-Vorfälle bei den lokalen Behörden haben Anlass zur Sorge gegeben ­ es gab während der Tätigkeit in Tibet Anfragen von lokalen Regierungsvertretern, Motorfahrzeuge wie zum Beispiel Land Cruisers, zu kaufen statt die Gesundheitsversorgung sicher zu stellen.

Quelle: TIN, Übersetzung tibetfocus.com S. Gut

Antworten: 1 Kommentar

Eine Katastrophe, dass sich die obige Organisation aus diesem Gebiet zurückzieht.
Ich finde es grauenhaft, dass die Chinesische Regierung es geschafft hat, eine Hilfsorganisation mehr wegzuekeln.

Aufgegeben von Meyer Ricarda @ 21.12.2002 09:47 PM MEZ


 

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