tibetfocus
Home

Links
Dalai Lama
Tibetische Exilregierung
Tibetan Solidarity Committee
The Tibet Bureau, Genf
TIN, tibetinfo.net
Voice of Tibet
Lamtoen

Archiv
December 2008
November 2008
October 2008
September 2008
August 2008
July 2008
June 2008
May 2008
April 2008
March 2008
February 2008
January 2008
December 2007
November 2007
October 2007
September 2007
August 2007
July 2007
June 2007
May 2007
April 2007
March 2007
February 2007
January 2007
December 2006
November 2006
October 2006
September 2006
August 2006
July 2006
June 2006
May 2006
March 2006
February 2006
January 2006
December 2005
November 2005
October 2005
September 2005
August 2005
July 2005
June 2005
May 2005
April 2005
March 2005
February 2005
January 2005
December 2004
November 2004
October 2004
September 2004
August 2004
July 2004
June 2004
May 2004
April 2004
March 2004
February 2004
January 2004
December 2003
November 2003
October 2003
September 2003
August 2003
July 2003
June 2003
May 2003
April 2003
March 2003
February 2003
January 2003
December 2002
November 2002
October 2002
September 2002
August 2002
July 2002
June 2002
May 2002
April 2002
March 2002
February 2002
January 2002
December 2001
November 2001
October 2001

Powered By Greymatter

[Hauptseite]

21.12.2003 - "Das fehlte noch: China spielte am Seenachtfest Rapperswil Weltpolitik"

Obersee Nachrichten, 14.8.03:

Erst war es nur eine Anekdote, doch das Lachen ist den Beteiligten im Halse stecken geblieben: Das Konsulat der Volksrepublik China wollte dem Tibeterverein und dem Seenachtfest-OK verbieten, Tibet-Fahnen zu hissen. Doch das lässt sich die Schweizer Bevölkerung nicht gefallen. Was hat Weltpolitik an unserem Fest zu suchen? Was hat uns China in der Schweiz vorzuschreiben?

Zur allgemeinen Belustigung hier auch noch die ausführliche Stellungnahme der chinesischen Botschaft:

Vergangener Freitag, das Seenachtfest kommt ins Rollen. Die 27 Vereinsbeizli richten sich ein. Jedes hat ein Land als kulinarisches Vorbild genommen. Der Männerchor Russland, die Guggenmusik Hawaii, die SVP die Benelux-Länder, der Veloclub China, und der Tibeter-Verein natürlich Tibet, usw. Das Fest konnte beginnen.

Doch dann erhält OK-Präsident Reto Klotz (51) einen Anruf vom Konsulat der Volksrepublik China in Zürich: «Mit aggressiver Stimme verlangte eine Frau, dass die Fahnen am Tibet-Stand entfernt werden.» Nun werde das Seenachtfest noch Teil der Weltpolitik, schmunzelte Klotz und schaute bei den Tibetern vorbei. «Kein Problem, dem Frieden zuliebe», hiess es dort gleich. Klar ist allerdings, dass die Fähnlein einen Tag später wieder hingen. Doch die Chinesen blieben hartnäckig. Am Sonntag tauchte eine Delegation unter der Leitung von Herr und Frau Konsul persönlich auf. Das «Einziehen» der Fahne wurde sogar auf Video dokumentiert – wohl zu Propaganda-Zwecken. Und noch mehr: Bei Reto Klotz beschwerten sie sich, dass auch bei einem privaten Marktstand eine Tibet-Fahne hing.

Empörung bei den Schweizern
Jetzt hörte der Spass für Reto Klotz definitiv auf. «Ich habe keine Zeit für solche Kindergartenspiele», wurde er deutlich. Doch das Ganze entwickelte bereits eine Eigendynamik. Wo nämlich die friedliebenden Tibeter noch einlenkten, brausten die Schweizer auf. Aus Wut entfernte der benachbarte Veloclub «Stadtrose» an seinem Stand die China-Fahnen, gar schriftlich wurde die Solidarität ausgesprochen. «Auch vom OK hätten wir mehr Courage erwartet», meinte eine am China-Stand Arbeitende. «Zugegeben, heute würde ich noch schroffer reagieren», blickt Reto Klotz zurück. Er betont aber, dass er die Tibeter zu nichts gezwungen habe. Diese hätten die Fahnen freiwillig abgenommen.

Zurück bleibt dennoch Wut. «Wer hat das Recht, uns in der Schweiz vorzuschreiben, welche Fahne wir hissen dürfen?», ärgert sich eine Augenzeugin. Kommt dazu, dass die allermeisten dieser Tibeter längst Schweizer Bürger sind. Dass sie dabei ihre ursprüngliche Kultur nicht ganz aufgeben, stört niemanden. Im Gegenteil: Der Tibeterverein Rapperswil-Jona ist beliebter und ständiger Gast an den Festen. Stets sitzen ganze Familien zusammen, sie bereiten ihre typischen Speisen vor und bieten sie den Passanten an. Der Erlös kommt bedürftigen Landsleuten in aller Welt zugute. Und immer schon war die Tibet-Fahne mit dabei. «Unsere Fahne stammt aus dem 9. Jahrhundert», erklärt Sherab Karutshang (49) aus Jona als Sprecher des Vereins. Das Emblem Chinas hingegen sei gerade mal 50 Jahre alt. Allerdings sei ihr Verein nicht politisch tätig. Karutshang ist es wichtig festzuhalten, dass sie sich sehr wohl in der Schweiz fühlten. Nie hätten sie Ärger mit Behörden oder Bevölkerung gehabt. Allein in Rapperswil-Jona würden 43 Haushalte mit etwa 200 Menschen tibetischen Ursprungs leben. «99 Prozent davon sind eingebürgert und fühlen sich als Schweizer», fügt Karutshang an.

Bitte keine Weltpolitik am Volksfest
Und genau als Schweizer Bürger mit allen Rechten und Pflichten sind auch sie – aller Friedfertigkeit zum Trotz – empört. Damit finden sie bei den «Ur-Schweizern» volle Unterstützung. Das Konsulat mag seine Gründe und seine Befehle für das unverfrorene Vorgehen haben. So soll die Tibet-Fahne für die Exilregierung des Dalai Lama stehen. Doch das gehört einfach nicht an ein Volksfest wie das Seenachtfest.

Die Volksrepublik China hat sich damit sogar einen Bärendienst erwiesen. Sherab Karutshang schmunzelt: «Ohne diese Intervention wären sie nie aufgefallen. Wir danken dem Konsulat für diese Popularität.» Dann allerdings wird der Familienvater, der 1980 als Familiennachzug in die Schweiz kam, wieder ernst: «Wenn China bereits in der Schweiz solchen Druck aufsetzt, können Sie sich dann vorstellen, wie gross dieser erst in Tibet ist?»

Erklärung der chinesischen Botschaft in der Schweiz in bezug auf den Fall der “Tibet-Fahne” beim Seenachtfest in Rapperswil

In den letzten Tagen haben manche Medien der Schweiz über den Fall der sogenannten “Tibet-Fahne” beim Seenachtfest in Rapperswil berichtet und das Verhalten des Konsulbeamten des chinesischen Generalkonsulats in Zürich attackiert. Aus den Berichten hat die chinesische Botschaft festgestellt, dass die Medien den Hergang dieses Falls nicht gut kennen, so dass man einige Punkte in den Berichten finden kann, die von den Tatsachen abweichen. Aus diesem Grunde gibt die chinesische Botschaft in der Schweiz folgende Erklärung bekannt:

Vom 8. bis 10. August wurde das Seenachtfest Rapperswil 2003 veranstaltet. 27 lokale Vereine haben jeweils einen Stand für ein bestimmtes Land und verkaufen Spezialitäten aus diesem Land, einschliesslich eines Standes für China. Dazu hat auch das chinesische Generalkonsulat in Zürich notwendigen Beitrag geleistet. Am Mittag vom 8. August hat das Generalkonsulat bemerkt, dass das Programm von diesem Fest auch Tibet als ein “Land” bezeichnet und die sogenannte “Staatsflagge” von Tibet beinhaltet. Der Stand für Tibet befindet sich direkt neben dem für China. Unser Generalkonsulat hat das Organisationskommitee telefonisch kontaktiert und darauf hingewiesen, dass diese Handlung vom Organistionskommitee dem Standpunkt der schweizerischen Regierung in bezug auf die Tibet-Frage widerspricht. Das Generalkonsulat hat dabei auch den Wunsch ausgedrückt, dass das Organisationskommitee diesen Fehler korrigieren und notwendige Massnahmen treffen sollte, um das Erscheinen der “Tibet-Fahne” während dieses Fests zu vermeiden. Das Organisationskommitee hat später dem Generalkonsulat mitgeteilt, dass dieser Fall gelöst sei. Es werde während dieses Fests keine “Tibet-Fahne” gehissen. Aber der Fehler auf dem Festprogramm könne aus Zeitmangel nicht mehr korrigiert werden, das würde das Organisationskomitee in Zukunft beachten.

Am 10. August hat ein Konsul unseres Generalkonsulats zwei “Tibet-Fahnen” bei dem Stand für Tibet gesehen und den Beamten vom Organisationskommitee sofort informiert und gewünscht, sein Versprechen einzuhalten. Aber der Beamte lehnte es mehrmals unter einem Vorwand ab. Unter diesen Umständen sagte unser Konsul vom Generalkonsulat, wenn das Versprechen nicht verwirklicht werden könnte, würden wir die chinesische Staatsflagge abmontieren. Dann hat der Beamte einen Mitarbeiter des Organisationskomitees vor Ort geschickt, und der Stand für Tibet hat die Fahnen abgemontiert. Der Stand für China aber zeigte dafür Unverständnis und montierte auch die chinesische Fahne ab. Um den Fall auf geeignete Weise zu lösen, hat unser Konsul nicht darauf bestanden, dass die chinesische Fahne wieder gehissen wird.

Es ist zweifellos bedauerlich, dass ein solcher politischer Fall während einer Veranstaltung des Kulturaustausches passiert ist. Es ist nicht schwer abzulesen, wer diesen Fall absichtlich verursacht hat. Die “Tibet-Fahne”, nämlich die Fahne mit Schneelöwen ist die sogenannte “Staatsflagge der Exilregierung von Dalai Lama” und stellt ein Symbol der sogenannten “Unabhängigkeit” Tibets dar. Dass die “Tibet-Fahne” neben der chinesischen Staatsfahne hängt und Tibet als ein Land bezeichnet wird, verletzt die Souveränität Chinas und widerspricht dem Standpunkt der schweizerischen Regierung, dass Tibet ein Teil des chinesischen Territoriums ist. Darum hat unser Konsul interveniert. Er hat als Konsul die Aufgabe der Verteidigung der Souveränität und territorialen Integrität des Landes wahrgenommen. Während des ganzen Vorgangs hat er nur das Organisationskomitee daran erinnert und ermahnt, sein Versprechen einzuhalten. Sein Verhalten entspricht seiner Eigenschaft als Konsul.

Es ist eine von der internationalen Gemeinschaft allgemein anerkannte Tatsache, dass Tibet seit jeher ein unabtrennbarer Bestandteil des chinesischen Territoriums ist. Die chinesische Regierung schätzt die Haltung der schweizerischen Regierung sehr ein, an dem Standpunkt festzuhalten, dass Tibet ein Teil des chinesischen Territoriums ist. Angesichts der Tatsache, dass manche Medien und Bürger von der Schweiz wenig über die Geschichte und Gegenwart Tibets informiert sind, ist die chinesische Botschaft bereit, sich zu bemühen, Gedanken mit ihnen auszutauschen, damit man mehr über den tatsächlichen Entwicklungsstand in Tibet wissen kann. Es soll vermieden werden, dass die Tibet-Frage von manchen Leuten mit politischer Absicht benutzt wird, dass die zügige Entwicklung der bilateralen Beziehungen zwischen China und der Schweiz gestört wird.

Antworten: 4 Kommentare

Dass sich die Chinesen in der Schweiz und anderswo derartige Frechheiten erlauben, (und obendrein gewähren gelassen werden) ist ja völlig normal und bekannt.
Als Tibeter jedoch schäme ich mich, dass sich die Tibet Standbetreiber nicht geweigert haben und dem unsinnigen Verlangen der Chinesen via OK nicht klipp und klar Nein gesagt haben.Wo immer ich meinen Stand an Messen in der ganzen Schweiz habe, da prangt meine grösste Tibetfahne. Da soll ja kein Chinese kommen und derartiges von mir verlangen.
Was sollen nur die Tibeter in Tibet von diesen Rapperswiler Hasenfüssen und Hosenschei..., denken, wenn sie dies erführen. Es wird langsam mühsam und penibel, stets das Attribut der lieben , kleinen, herzigen, friedliebenden Tibeterlis herum zu tragen. Gewiss soll man den Frieden wahren und lieben, aber man soll ihn uns auch lassen. Also, das nächste mal richtig auf die hinteren Beine stehen und keine Bücklinge werfen!!!

Aufgegeben von Thubten Zahner @ 03.09.2003 05:47 PM MEZ


wenn ich solche artikel lese, frage ich mich immer wieder, warum sich offizielle vertreter in unserem land soviel für die menschenrechte in anderen ländern einsetzten und im eigenen land überhaupt nicht reagieren wenn solche vorfälle passieren. ich war in graz 2002 und habe grosse hochachtung vor der grazer regierung, die sich ganz offen für tibet ausgesprochen hat, ohne sich gegen das chinesiche volk auszusprechen.
warum ist das in der schweiz nicht möglich, obwohl wir die grösste tibetische gemeinde haben?
wahrscheinlich ist es medienwirksamer, wenn man sich mit saharageisseln zeigt, als in diesem speziellen fall zu reagieren
ich möchte keinen menschenrechtlichen einsatz schmälern, aber etwas mehr engagement für tibet wäre sicher nicht zuviel verlangt.

Aufgegeben von monika hubler @ 24.08.2003 07:18 PM MEZ


Ich bin Mitglied des GSTF und war 2 x in Tibet. Was sich die Chinesen leisten, ist traurig, was sich der Westem von China bieten lässt, ist sehr bedauerlich. Was hat China schon zu bieten? Geld, welches ihnen der Westen leiht? Kultur, doch wohl höchstens im Osten - in Tibet! Ich were im Nov/Dez eine Dia-Vortrag über Tibet halten und hoffe auf regen Besuch. Nicht, dass ich China oder die Chinesen verachte, ich bin nur über die ganze Situation seht traurig.

Aufgegeben von Jürgen Kipfer @ 21.08.2003 06:19 PM MEZ


Hallo Christian,

was sagt der Rapperswiler Stadtrat zum chinesischen Vorgehen?
Läuft etwas von der schweizerischen politischen Seite gegen eine solche chinesisch politische Einmischung in einem doch eigentlich schweizerisch-privaten Bereich?
Herzlichen Dank für eine Antwort-Margrit (ehemals Rigpa)

Aufgegeben von Margrit Perricone @ 20.08.2003 04:05 PM MEZ


 

ONLINE-SHOP
tibetfocus-Web-Shop

Partner Organisationen
Tibeter Gemeinschaft TGSL
VTJE
Tibetfreunde
Tibeter Familien Hilfe
Assoc. Ticino-Tibet

Sponsoren


 

Seitenanfang
 
Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft (GSTF), Binzstrasse 15, 8045 Zürich
Tel. (044) 451 38 38 - Fax (044) 451 38 68 - email buero@gstf.org - PC 80-58056-6