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21.12.2003 - "Das fehlte noch: China spielte am Seenachtfest Rapperswil Weltpolitik"
Obersee Nachrichten, 14.8.03: Zur allgemeinen Belustigung hier auch noch die ausführliche Stellungnahme der chinesischen Botschaft: Vergangener Freitag, das Seenachtfest kommt ins Rollen. Die 27 Vereinsbeizli richten sich ein. Jedes hat ein Land als kulinarisches Vorbild genommen. Der Männerchor Russland, die Guggenmusik Hawaii, die SVP die Benelux-Länder, der Veloclub China, und der Tibeter-Verein natürlich Tibet, usw. Das Fest konnte beginnen. Doch dann erhält OK-Präsident Reto Klotz (51) einen Anruf vom Konsulat der Volksrepublik China in Zürich: «Mit aggressiver Stimme verlangte eine Frau, dass die Fahnen am Tibet-Stand entfernt werden.» Nun werde das Seenachtfest noch Teil der Weltpolitik, schmunzelte Klotz und schaute bei den Tibetern vorbei. «Kein Problem, dem Frieden zuliebe», hiess es dort gleich. Klar ist allerdings, dass die Fähnlein einen Tag später wieder hingen. Doch die Chinesen blieben hartnäckig. Am Sonntag tauchte eine Delegation unter der Leitung von Herr und Frau Konsul persönlich auf. Das «Einziehen» der Fahne wurde sogar auf Video dokumentiert – wohl zu Propaganda-Zwecken. Und noch mehr: Bei Reto Klotz beschwerten sie sich, dass auch bei einem privaten Marktstand eine Tibet-Fahne hing. Empörung bei den Schweizern Zurück bleibt dennoch Wut. «Wer hat das Recht, uns in der Schweiz vorzuschreiben, welche Fahne wir hissen dürfen?», ärgert sich eine Augenzeugin. Kommt dazu, dass die allermeisten dieser Tibeter längst Schweizer Bürger sind. Dass sie dabei ihre ursprüngliche Kultur nicht ganz aufgeben, stört niemanden. Im Gegenteil: Der Tibeterverein Rapperswil-Jona ist beliebter und ständiger Gast an den Festen. Stets sitzen ganze Familien zusammen, sie bereiten ihre typischen Speisen vor und bieten sie den Passanten an. Der Erlös kommt bedürftigen Landsleuten in aller Welt zugute. Und immer schon war die Tibet-Fahne mit dabei. «Unsere Fahne stammt aus dem 9. Jahrhundert», erklärt Sherab Karutshang (49) aus Jona als Sprecher des Vereins. Das Emblem Chinas hingegen sei gerade mal 50 Jahre alt. Allerdings sei ihr Verein nicht politisch tätig. Karutshang ist es wichtig festzuhalten, dass sie sich sehr wohl in der Schweiz fühlten. Nie hätten sie Ärger mit Behörden oder Bevölkerung gehabt. Allein in Rapperswil-Jona würden 43 Haushalte mit etwa 200 Menschen tibetischen Ursprungs leben. «99 Prozent davon sind eingebürgert und fühlen sich als Schweizer», fügt Karutshang an. Bitte keine Weltpolitik am Volksfest Die Volksrepublik China hat sich damit sogar einen Bärendienst erwiesen. Sherab Karutshang schmunzelt: «Ohne diese Intervention wären sie nie aufgefallen. Wir danken dem Konsulat für diese Popularität.» Dann allerdings wird der Familienvater, der 1980 als Familiennachzug in die Schweiz kam, wieder ernst: «Wenn China bereits in der Schweiz solchen Druck aufsetzt, können Sie sich dann vorstellen, wie gross dieser erst in Tibet ist?» Erklärung der chinesischen Botschaft in der Schweiz in bezug auf den Fall der “Tibet-Fahne” beim Seenachtfest in Rapperswil In den letzten Tagen haben manche Medien der Schweiz über den Fall der sogenannten “Tibet-Fahne” beim Seenachtfest in Rapperswil berichtet und das Verhalten des Konsulbeamten des chinesischen Generalkonsulats in Zürich attackiert. Aus den Berichten hat die chinesische Botschaft festgestellt, dass die Medien den Hergang dieses Falls nicht gut kennen, so dass man einige Punkte in den Berichten finden kann, die von den Tatsachen abweichen. Aus diesem Grunde gibt die chinesische Botschaft in der Schweiz folgende Erklärung bekannt: Vom 8. bis 10. August wurde das Seenachtfest Rapperswil 2003 veranstaltet. 27 lokale Vereine haben jeweils einen Stand für ein bestimmtes Land und verkaufen Spezialitäten aus diesem Land, einschliesslich eines Standes für China. Dazu hat auch das chinesische Generalkonsulat in Zürich notwendigen Beitrag geleistet. Am Mittag vom 8. August hat das Generalkonsulat bemerkt, dass das Programm von diesem Fest auch Tibet als ein “Land” bezeichnet und die sogenannte “Staatsflagge” von Tibet beinhaltet. Der Stand für Tibet befindet sich direkt neben dem für China. Unser Generalkonsulat hat das Organisationskommitee telefonisch kontaktiert und darauf hingewiesen, dass diese Handlung vom Organistionskommitee dem Standpunkt der schweizerischen Regierung in bezug auf die Tibet-Frage widerspricht. Das Generalkonsulat hat dabei auch den Wunsch ausgedrückt, dass das Organisationskommitee diesen Fehler korrigieren und notwendige Massnahmen treffen sollte, um das Erscheinen der “Tibet-Fahne” während dieses Fests zu vermeiden. Das Organisationskommitee hat später dem Generalkonsulat mitgeteilt, dass dieser Fall gelöst sei. Es werde während dieses Fests keine “Tibet-Fahne” gehissen. Aber der Fehler auf dem Festprogramm könne aus Zeitmangel nicht mehr korrigiert werden, das würde das Organisationskomitee in Zukunft beachten. Am 10. August hat ein Konsul unseres Generalkonsulats zwei “Tibet-Fahnen” bei dem Stand für Tibet gesehen und den Beamten vom Organisationskommitee sofort informiert und gewünscht, sein Versprechen einzuhalten. Aber der Beamte lehnte es mehrmals unter einem Vorwand ab. Unter diesen Umständen sagte unser Konsul vom Generalkonsulat, wenn das Versprechen nicht verwirklicht werden könnte, würden wir die chinesische Staatsflagge abmontieren. Dann hat der Beamte einen Mitarbeiter des Organisationskomitees vor Ort geschickt, und der Stand für Tibet hat die Fahnen abgemontiert. Der Stand für China aber zeigte dafür Unverständnis und montierte auch die chinesische Fahne ab. Um den Fall auf geeignete Weise zu lösen, hat unser Konsul nicht darauf bestanden, dass die chinesische Fahne wieder gehissen wird. Es ist zweifellos bedauerlich, dass ein solcher politischer Fall während einer Veranstaltung des Kulturaustausches passiert ist. Es ist nicht schwer abzulesen, wer diesen Fall absichtlich verursacht hat. Die “Tibet-Fahne”, nämlich die Fahne mit Schneelöwen ist die sogenannte “Staatsflagge der Exilregierung von Dalai Lama” und stellt ein Symbol der sogenannten “Unabhängigkeit” Tibets dar. Dass die “Tibet-Fahne” neben der chinesischen Staatsfahne hängt und Tibet als ein Land bezeichnet wird, verletzt die Souveränität Chinas und widerspricht dem Standpunkt der schweizerischen Regierung, dass Tibet ein Teil des chinesischen Territoriums ist. Darum hat unser Konsul interveniert. Er hat als Konsul die Aufgabe der Verteidigung der Souveränität und territorialen Integrität des Landes wahrgenommen. Während des ganzen Vorgangs hat er nur das Organisationskomitee daran erinnert und ermahnt, sein Versprechen einzuhalten. Sein Verhalten entspricht seiner Eigenschaft als Konsul. Es ist eine von der internationalen Gemeinschaft allgemein anerkannte Tatsache, dass Tibet seit jeher ein unabtrennbarer Bestandteil des chinesischen Territoriums ist. Die chinesische Regierung schätzt die Haltung der schweizerischen Regierung sehr ein, an dem Standpunkt festzuhalten, dass Tibet ein Teil des chinesischen Territoriums ist. Angesichts der Tatsache, dass manche Medien und Bürger von der Schweiz wenig über die Geschichte und Gegenwart Tibets informiert sind, ist die chinesische Botschaft bereit, sich zu bemühen, Gedanken mit ihnen auszutauschen, damit man mehr über den tatsächlichen Entwicklungsstand in Tibet wissen kann. Es soll vermieden werden, dass die Tibet-Frage von manchen Leuten mit politischer Absicht benutzt wird, dass die zügige Entwicklung der bilateralen Beziehungen zwischen China und der Schweiz gestört wird. Antworten: 4 Kommentare
Dass sich die Chinesen in der Schweiz und anderswo derartige Frechheiten erlauben, (und obendrein gewähren gelassen werden) ist ja völlig normal und bekannt. Aufgegeben von Thubten Zahner @ 03.09.2003 05:47 PM MEZ
wenn ich solche artikel lese, frage ich mich immer wieder, warum sich offizielle vertreter in unserem land soviel für die menschenrechte in anderen ländern einsetzten und im eigenen land überhaupt nicht reagieren wenn solche vorfälle passieren. ich war in graz 2002 und habe grosse hochachtung vor der grazer regierung, die sich ganz offen für tibet ausgesprochen hat, ohne sich gegen das chinesiche volk auszusprechen. Aufgegeben von monika hubler @ 24.08.2003 07:18 PM MEZ Ich bin Mitglied des GSTF und war 2 x in Tibet. Was sich die Chinesen leisten, ist traurig, was sich der Westem von China bieten lässt, ist sehr bedauerlich. Was hat China schon zu bieten? Geld, welches ihnen der Westen leiht? Kultur, doch wohl höchstens im Osten - in Tibet! Ich were im Nov/Dez eine Dia-Vortrag über Tibet halten und hoffe auf regen Besuch. Nicht, dass ich China oder die Chinesen verachte, ich bin nur über die ganze Situation seht traurig. Aufgegeben von Jürgen Kipfer @ 21.08.2003 06:19 PM MEZ Hallo Christian, was sagt der Rapperswiler Stadtrat zum chinesischen Vorgehen? Aufgegeben von Margrit Perricone @ 20.08.2003 04:05 PM MEZ
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