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21.12.2004 - "Bundesrat Couchepins Besuch in Tibet, Presseberichte"

Bieler Tagblatt, 16.10.04: Kein Treffen mit Chinas Staatschef

sda. Das mit Spannung erwartete Treffen von Kulturminister Pascal Couchepin und 36 Amtskollegen mit Chinas Staatschef Hu Jintao in Schanghai hat gestern nicht stattgefunden. Das Treffen wurde von den Chinesen kurzfristig und ohne Angabe von Gründen abgesagt. Am Donnerstag hatte Couchepin gesagt, er wolle beim Treffen die Menschenrechtslage in Tibet nicht zum Thema machen, was ihm Kritik von der parlamentarischen Gruppe für Tibet eintrug. Statt fand gestern Couchepins Treffen mit dem französischen Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres. Dieser lud Couchepin auf Ende Jahr zu einem Besuch nach Paris ein.
Weitere Berichte:

Swissinfo, 14.10.04:
Schweiz redet Klartext in Tibet
Der Schweizer Kulturminister Pascal Couchepin hat am Mittwoch bei seinem Besuch in Tibet China an die Menschenrechte erinnert.
Pascal Couchepin unterzeichnete eine Absichtserklärung zur Restaurierung der tibetischen Klosteranlage Ramoche.
Bundesrat Pascal Couchepin hat die chinesischen Behörden am Mittwoch in Tibets Hauptstadt Lhasa an die Respektierung der Menschenrechte erinnert. Dies schliesse die Religionsfreiheit mit ein.
Die Erfahrung zeige, dass nur dann eine ausgewogene Entwicklung möglich sei, wenn alle menschlichen Aspekte respektiert würden. Dazu gehörten auch die religiösen Rechte, sagte der Schweizer Innen- und Kulturminister zu Beginn seines Treffens mit dem chinesischen Gouverneur Tibets, Xiang Ba Ping Cao.
Dieser bedauerte die Missverständnisse, die zwischen dem Westen und Tibet bestünden. Kaum jemand in der Schweiz kenne offenbar die wahre Situation in der autonomen chinesischen Region, sagte er.
Konflikt Tradition-Moderne
Die ausserordentliche Potenz der chinesischen Wirtschaft lobend, wies Couchepin dennoch auf einen wahrnehmbaren Konflikt zwischen Tradition und Moderne hin. Dies gelte besonders für die Religion.
Auch in seiner Begegnung mit dem stellvertretenden Bürgermeister von Lhasa, Xiu Ji Chang, kam Couchepin auf die Menschenrechte zu sprechen, wie sein Sprecher Jean-Marc Crevoisier sagte.
Der Bundesrat gab auch einen Toast auf Präsident Hu Jintao aus, der ihm bereits im November 2003 die Bereitschaft Chinas bestätigt habe, den Menschenrechts-Dialog mit der Schweiz weiterzuführen.
"Dies auch dann, wenn es um schwierige Fragen geht", sagte Couchepin vor Ort. Die Schweiz führt seit 1991 einen bilateralen Menschenrechts-Dialog mit China.
Absichtserklärung
Die Schweiz und China haben in Lhasa eine gemeinsame Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) zur Restaurierung der tibetischen Klosteranlage Ramoche unterzeichnet.
Bern lässt sich die Rettung der Tempel aus dem 7. Jahrhundert 200'000 Franken kosten.
Die Vereinbarung wurde von Andrea Raschèr, Leiter Recht und Information im Bundesamt für Kultur, und Nicolas Bideau, Leiter des Kompetenzzentrums für Kulturaussenpolitik im Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), zusammen mit ihren Kollegen aus Tibet in der Hauptstadt Lhasa paraphiert.
Raschèr und Bideau sind Teil einer Schweizer Delegation unter Leitung von Bundesrat Pascal Couchepin, die sich derzeit in Tibet aufhält. Von dort wird sie in die chinesische Wirtschaftsmetropole Schanghai weiterreisen.
Sanierung der Dächer
Die Arbeiten im Kloster Ramoche umfassen die Sanierung der Dächer, in erster Linie jenes einer Kapelle, später auch diejenigen der übrigen Anlage. Im Gegenzug würde die Restaurierung verschiedener Bilder auf eine zweite Phase verschoben.
Priorität hätten die Dächer, weil Regen die Gläubigen beim Gottesdienst störe und in der Anlage weiteren Schaden anrichte, sagte Bideau. Die Feuchtigkeit bedrohe auch die Mauern der Tempel.
Zwei Bedingungen hat die Schweiz für die Restaurierung allerdings gestellt: Die Arbeiten werden von tibetischen Künstlern ausgeführt und sie werden von der Schweizer Expertin Amy Heller beaufsichtigt, die sich in den Techniken auskennt.
Die Klosteranlage Ramoche war während der Kulturrevolution 1966 bis 1976 von den Kommunisten zerstört worden.
Es handelt sich um eines der ältesten Bauwerke Lhasas. Nachdem die chinesischen Behörden erste bauliche Notmassnahmen getroffen hatten, will die Schweiz nun zur Wiederherstellung des Klosters mit seinen 150 Mönchen beitragen.

Bund (Schweiz), 15.10.04:

Couchepin schweigt in China zu

Tibet Bundesrat Pascal Couchepin will dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao ein lästiges Thema ersparen.

Beim heutigen Treffen in Schanghai werde er die Menschenrechtslage in Tibet nicht ansprechen, sagte Couchepin in der Sendung «10 vor 10» von SF DRS.

sda. Das Treffen mit dem chinesischen Präsidenten sei nicht der Ort und der Moment, über dieses Thema zu sprechen, rechtfertigte sich Couchepin.

In diesem Falle wäre Couchepin wohl besser nicht dorthin gereist, sagte der Zürcher SP-Nationalrat Mario Fehr, Präsident der Parlamentarischen Gruppe für Tibet, ebenfalls in «10 vor 10». Immerhin habe der Bundesrat die Gelegenheit, mit Chinas mächtigstem Mann zu sprechen.

Nach einem Besuch in Tibet hatte Couchepin am Donnerstag erklärt, die dortige Menschenrechtssituation sei «nicht zufriedenstellend». Die Atmosphäre in der autonomen Region sei vom Konflikt zwischen den beiden nach Dominanz strebenden Kräften geprägt.

Auf der einen Seite stehe die buddhistische Tradition, auf der anderen die kommunistische Partei Chinas, sagte Couchepin gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Dieser Konflikt würde mit der Öffnung beider Seiten hin zu einem Dialog entschärft werden, ist Couchepin überzeugt.

Bieler Tagblatt, 15.10.04:

Couchepin thematisiert in Tibet die Menschenrechte

Ein Dialog würde die Lage entspannen, meint Bundesrat Pascal Couchepin nach seinem Tibet-Besuch.

ki/sda. Die Atmosphäre in Tibet sei vom Konflikt zwischen den beiden nach Dominanz strebenden Kräften geprägt: der buddhistischen Tradition und der kommunistischen Partei Chinas, sagte Kulturminister Pascal Couchepin gestern in der Wirtschaftsmetropole Shanghai. Dieser Konflikt würde mit der Öffnung beider Seiten hin zu einem Dialog entschärft werden, ist Couchepin überzeugt. Derzeit sei die Lage aber alles andere als zufrieden stellend. Auch die Antworten seiner Gesprächspartner in Tibet seien durchwegs eher vorsichtig gewesen.

«Wir sind erst am Anfang eines Prozesses. Tibet hat bisher nie offiziellen Besuch aus dem Ausland erhalten, da ist es nicht verwunderlich, wenn sich die ersten Kontakte ein wenig stereotyp gestalteten», sagte Couchepin. Seine Diskussionen mit Vertretern Tibets drehten sich vor allem um die Religionsfreiheit. In einem Land, das lange Zeit streng theokratisch regiert wurde, wo die Religion gleichsam der Staat war, würden sich die Hauptfragen und -probleme genau um diesen Komplex drehen, sagte Couchepin weiter.


Der Zürcher SP-Nationalrat Mario Fehr, Leiter der parlamentarischen Gruppe Tibet, betonte gestern, Pascal Couchepin müsste die Probleme in Peking zur Sprache bringen, wenn er etwas erreichen wolle. Denn in der chinesischen Hauptstadt würden die Entscheide gefällt, welche die Menschenrechtssituation in Tibet verbessern könnten. Tatsächlich soll Bundesrat Pascal Couchepin heute den chinesischen Staatschef Hu Jintao treffen. Doch gemäss einem Bericht der Nachrichtensendung «10 vor 10» von gestern Abend soll Tibet bei diesem Meeting kein Thema sein.


 

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