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21.12.2005 - "Urgent Action zugunsten von Tenzin Deleg Rinpoche und Tashi Phuntsok"

Todesstrafe gegen Tenzin Delek in lebenslange Haft umgewandelt.
Der aus der Haft entlassene Tashi Phuntsok benötigt dringend medizinische Versorgung.

Als Resultat der internationalen Kampagne zur Rettung von Tenzin Delek Rinpoche hat China nun sein Todesurteil mit zweijährigem Aufschub in eine lebenslängliche Haftstrafe umgewandelt. Dies wurde von Xinhua (der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur) am 26. Januar 2005 bestätigt; in dem Bericht heißt es, der Oberste Gerichtshof der Provinz Sichuan habe das Todesurteil gegen den Rinpoche in lebenslange Haft umgewandelt, “weil er während des Vollstreckungsaufschubs keine weiteren vorsätzliche Gesetzesübertretungen beging”.

Xinhua gibt zwar an, der Rinpoche sei bei guter Gesundheit, doch gibt es keine Bestätigung von unabhängiger Seite für diese Behauptung. FTC begrüßt die Nachricht, daß der Rinpoche nicht hingerichtet wird, ist jedoch der Überzeugung, daß es jetzt erst recht unsere Aufgabe ist, auf die chinesischen Behörden Druck auszuüben, damit sie ihn bedingungslos freilassen, denn das Urteil gegen ihn ist ganz eindeutig ungerecht.
Im Dezember 2002 wurde der Rinpoche mit zweijährigem Aufschub zum Tode verurteilt, weil er angeblich an “Sprengstoffexplosionen und spalterischen Aktivitäten” beteiligt gewesen sein soll. Dieses Urteil wurde bei der Berufungsverhandlung am 26. Januar 2003 bestätigt. China behauptete, es läge ein Geständnis von Lobsang Dhondup, dem Mitangeklagten des Rinpoche vor, was dieser jedoch während der Hauptverhandlung bestritt. Zum allgemeinen Entsetzen wurde Dhondup noch am 26. Januar 2003,
direkt im Anschluß an die Berufungsverhandlung, exekutiert. Der Rinpoche ist seitdem ohne Kontakte zur Außenwelt inhaftiert.Am 26. Januar 2005 berichtete Human Rights Watch über die vorzeitige Haftentlassung des Mönchs Tashi Phuntsok. Tashi wurde im April 2002 während einer Razzia gegen die Unterstützer des Rinpoche verhaftet. Den Grund für seine Verhaftung haben die Behörden in Sichuan trotz wiederholter Anfragen niemals genannt. Ebensowenig gab es eine Erklärung bezüglich seiner vorzeitigen Entlassung.

Ein weiterer Unterstützer, der im Februar 2003 verhaftete Lobsang Tenphen, befindet sich weiterhin im Gefängnis. Informationen über seinen Gesundheitszustand liegen nicht vor. Human Rights Watch zufolge ist jedoch klar, daß Tashi Phuntsok als gesunder Mensch ins Gefängnis kam, dieser es jedoch als “gebrochener Mann” wieder verließ. Er kann weder sprechen noch ohne Hilfe gehen und benötigt auf Grund der Mißhandlungen, die er in der Haft zu erdulden hatte, dringend medizinische Hilfe. Tashis Zustand zeugt von den entsetzlichen Haftbedingungen und der Folter, die politische Gefangene in
chinesischen Gefängnissen erleiden müssen. Eine wie auch immer geartete Haftstrafe für den Rinpoche und Lobsang Tenphen kommt nämlich de facto der Todesstrafe gleich.

Aktion:
Schreiben Sie an die nachstehend genannten chinesischen Behörden und drängen Sie auf die bedingungslose Freilassung von Tenzin Delek Rinpoche (chin: A’an Zhaxi), anstatt ihn wegen eines Verbrechens, das er nicht begangen hat, zu einem Leben im Gefängnis zu verurteilen. Fordern sie auch, daß ihm unverzüglich Zugang zu Rechtsanwälten, Familienangehörigen und Freunden gewährt wird.

Write to the Chinese authorities below urging them to release Tenzin Delek Rinpoche (chin: A’an Zhaxi) unconditionally rather than condemning him to a life in prison for a crime he did not commit. Please also request that he be allowed immediate access to lawyers, family and friends.

Schreiben Sie an die chinesischen Behörden und verlangen Sie, daß Tenzin Delek Rinpoche, Tashi Phuntsok (chin: Zhaxi Pingcuo) und Lobsang Tenphen (chin: Lorang Dapei) umgehend Zugang zu medizinischer Versorgung erhalten. Bitte verlangen Sie, daß Tashi Phuntsok nach seiner Haft keinen weiteren Schikanen ausgesetzt wird und daß er zusammen mit seiner Familie aus Tibet ausreisen
darf, um sich ärztlich behandeln zu lassen, falls er dies wünscht.

Write to the Chinese authorities demanding that Tenzin Delek Rinpoche, Tashi Phuntsok (chin: Zhaxi Pingcuo) and Lobsang Tenphen (chin: Lorang Dapei) are given access to medical care immediately. Please demand that Tashi Phuntsok is not harassed post-release and that he is allowed to leave Tibet with his family to seek medical treatment if he so wishes.

Bitte beachten Sie, daß wir in letzter Zeit Probleme hatten, Faxe nach China zu schicken, weil anscheinend einige Nummern abgeschaltet wurden.

Minister of Justice, Zhang Fusen Buzhang
Adresse: Sifabu
Xiaguangli
Beijingshi 100016
People’s Repubic of China
Email: minister@legalinfo.gov.cn
Fax: 0086 10 6529 2345 (c/o Ministry of Communications)
Anrede: Dear Minister

Acting Governor of the Sichuan Provincial People’s Government
Name: Zhang Zhongwei Daishengzhang
Adresse: Sichuansheng Renmin Zhengfu
Duyuanjie
Sichuansheng
People’s Republic of China
Email: sichuan@sc.gov.cn
Fax: 0086 28 8435 6784 oder 0086 28 8435 6789
(c/o Foreign Affairs Office of Sichuan Government)
Anrede: Dear Governor

Kopien an den chinesischen Botschafter in London
Name: His Excellency Mr Zha Peixin
Adresse: 49-51 Portland Place, London W1N 3AH
Email: press@chinese-embassy.org.uk
Fax: 0020 7636 2981 oder 020 7636 5578
Anrede: Your Excellency

Botschaft der Volksrepublik China
Märkisches Ufer 54
10179 Berlin
Telefax: 030-27588-211
(S.E. Herr Ma Canrong)
Email: chinesischebotschaft@debitel.de


Weitere Berichte zu Tenzin Deleg Rinpoche:

Berliner Morgenpost, 27.1.05:

Todesurteil umgewandelt

Ein chinesisches Gericht hat die Todesstrafe gegen den tibetischen Mönch Tenzin Deleg Rinpoche am Mittwoch in lebenslange Haft umgewandelt. Der Geistliche war im Dezember 2002 wegen einer Serie von Bombenanschlägen verurteilt worden. Die Todesstrafe wurde für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. (AP)

Offizieller Bericht rechtfertigt Vorgehen im Fall Tenzin Delek Rinpoche:

Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete am Mittwoch, den 26. Januar 2005, über die Umwandlung des gegen Tenzin Delek Rinpoche verhängten Todesurteils in eine lebenslange Haftstrafe und bestätigte damit Andeutungen, die chinesische Behörden bereits zuvor einigen westlichen Regierungen gegenüber gemacht hatten...Bei seinem Prozeß wurde Tenzin Delek ein zweijähriger Aufschub bis zur Vollstreckung des Urteils gewährt, und da er, wie von Xinhua berichtet, “die gesetzlichen Bestimmungen während dieses Zeitraums nicht weiter vorsätzlich verletzt hat”, wurde die Strafe umgewandelt.

Der Xinhua-Bericht betont, er habe “das Verbrechen gestanden”, und führt Einzelheiten des gerichtlichen Verfahrens gegen ihn an, womit bewiesen werden soll, daß der Fall streng nach rechtsstaatlichen Maßstäben verhandelt wurde. Der Bericht wiederholt, Tenzin Delek sei wegen des “Verbrechens von terroristischen Sprengstoffanschlägen und der Aufhetzung zu separatistischen Aktivitäten” verurteilt worden, und fügt hinzu, die Entscheidung zur Umwandlung der Strafe sei an dem Tag gefallen, an dem der Vollstreckungsaufschub ausgelaufen ist. Indem er den Fall in Anlehnung an das Urteil kurz zusammenfaßt, führt der Bericht weiter aus: “A’an Zhaxi (Tenzin Deleks chinesischer Name) wurde sowohl während der Ermittlung als auch während der mündlichen Verhandlung des Falles von den Justizbehörden über seine gesetzlichen Rechte als mutmaßlicher Täter belehrt”. Die “relevanten rechtlichen Schriftstücke” seien ihm “in tibetischer Sprache” vorgelegt worden. Außerdem sei er von zwei Verteidigern vertreten worden. Abschließend wird betont, Tenzin Delek werde “im Gefängnis fair und gut behandelt”.

Der Eifer, mit dem der Bericht sich bemüht, das Verfahren gegen Tenzin Delek als rechtsstaatlich und korrekt darzustellen, sollte im Kontext der weitverbreiteten internationalen Kritik an der willkürlichen Art seiner Verhaftung, der Härte, mit der er und seine Anhänger behandelt wurden, und dem Mangel an juristischer Transparenz gesehen werden.

Vor seiner Verhaftung, die am 7. April 2002 im Verlauf einer Polizeirazzia erfolgte, hatte Tenzin Delek in der Region von Lithang in Kham in Osttibet (Provinz Sichuan) ein Netzwerk von religiösen und wohltätigen Einrichtungen aufgebaut. Informellen Berichten zufolge herrschte nach seiner Verhaftung in der ganzen Gegend eine Atmosphäre der Repression und Furcht. Viele aktive Mitglieder seines Netzwerks wurden gleichzeitig mit ihm oder kurz danach verhaftet. Mit Ausnahme von Lobsang Dhondup, der beschuldigt wurde, am 3. April 2002 in Chengdu, der Provinzhauptstadt von Sichuan, eine Bombe zur Explosion gebracht zu haben, und der am 26. Januar 2003 hingerichtet wurde, sind die meisten von Tenzin Deleks Mitarbeitern in der Folge freigelassen worden. Allerdings wurde immer wieder über Mißhandlungen und über den schweren Druck, der auf die Opfer sogar noch nach ihrer
Freilassung ausgeübt wird, berichtet. Als einer der letzten wurde Tashi Phuntsok am 6. Januar 2005 aus der Haft entlassen. In einer von Human Rights Watch am 26. Januar 2005 veröffentlichten Notiz heißt es, er sei heute “buchstäblich ein gebrochener Mann, der unter schweren, durch die Haft verursachten, körperlichen Verfallserscheinungen” leide. Er soll nicht mehr gehen und auch nicht deutlich sprechen können. Tashi soll bereits vor seiner Verhaftung an Tuberkulose gelitten haben. Berichte über die Folterung von Tenzin Delek Rinpoche und seinen Mitarbeitern können nicht überprüft werden, da die chinesischen Behörden ausländischen Beobachtern keinen Zugang zu den Betroffenen gewähren.

Das Gerichtsverfahren, das am 26. Januar 2003 zu dem Todesurteil mit zweijährigem Aufschub gegen Tenzin Delek führte, rief ebenso wie die Hinrichtung von Lobsang Dhondup international heftige Kritik hervor, insbesondere seitens der EU und der Vereinigten Staaten. Der verstorbene damalige UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Sergio Vieira de Mello, schrieb an die chinesischen Behörden und brachte seine Bedenken vor, daß “der Prozeß offenbar nicht einmal den Mindestanforderungen
gerecht” geworden sei. Den Zusicherungen der chinesischen Behörden zum Trotz wurden bei der Gerichtsverhandlung keine internationalen Beobachter zugelassen. In einem Bericht vom Januar 2003 setzte Xinhua den Prozeß mit dem Kampf gegen den Terrorismus in Beziehung und rechtfertigte die Verhandlung hinter geschlossenen Türen folgendermaßen: “Das Gericht hielt keine öffentliche Verhandlung ab, weil die Straftaten, deren einige der Angeklagten beschuldigt wurden, mit
Staatsgeheimnissen in Verbindung stehen.” Bis zum heutigen Tag sind keine Beweise gegen Tenzin Delek Rinpoche bekannt gegeben worden.

TIN, London

Übersetzungen: Irina Raba, Adelheid Dönges, Angelika Mensching
Internationale Gesellschaft fur Menschenrechte (IGFM)
Arbeitsgruppe München

 

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