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21.12.2005 - "Keine China-Resolution bei der 61. Sitzung der UN-Menschenrechtskommission"

Das Tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) bedauert, daß bei der UN-Menschenrechtskommission (UNCHR), die derzeit in Genf tagt, kein einziges Land eine Resolution zu Chinas Umgang mit den Menschenrechten einbringen wird. Am 17. März 2005 gab die US Regierung ihren Beschluß bekannt, bei der diesjährigen Kommission keine china-kritische Resolution vorzulegen.

Resolutionen bei den UN-Kommissionen sind effiziente Werkzeuge zur Kritik der Menschenrechtsbilanz von Ländern, welche die grundlegenden Menschen- und Freiheitsrechte ihrer Bürger verletzen. Allein schon die Tatsache, daß eine Resolution gegen ihr Land eingebracht wird, bedeutet für viele UN-Mitgliedstaaten bereits einen größeren Gesichtsverlust. Besonders gilt dies für die VR China, die dem Aufbau eines guten Images ungeheuer großen Wert beimißt. Eine Resolution spricht immer für die schlechte Menschenrechtsbilanz eines Landes.
Dieses Jahr ist das zweite Mal innerhalb von drei Jahren, daß die USA es versäumten, bei der UN eine Resolution zur Verurteilung von Chinas Menschenrechtsverletzungen einzubringen. Seit 1990 scheiterten die Versuche der USA und europäischer Länder, eine Resolution zu China zu verabschieden,
ausnahmslos an der massiven Lobbyarbeit und dem Druck der Chinesen. 1995 wurde eine derartige Resolution durch einen Nichtbefassungsantrag Chinas mit einer Stimme Mehrheit verhindert.

Der VR China hat es mit Hilfe der verschiedensten diplomatischen Taktiken und verfahrenstechnischen Tricks, sowie der Ausübung von gewaltigem politischem und wirtschaftlichem Druck geschafft, einer Rüge durch die UN-Kommission zu entgehen. Es gelang ihr, viele in der Entwicklung begriffene und bereits entwickelte Länder um sich zu scharen. Die Entscheidung der USA, vom Einbringen einer Resolution abzusehen, zeigt jetzt, daß es China letztendlich gelungen ist, auch noch die einzige Supermacht der Welt zu beeinflussen. Und es beweist wieder einmal, daß mächtige Nationen wie China die internationalen Menschenrechte sowie ihre eigenen Gesetze ungestraft verletzen dürfen.

Die Menschenrechtslage in Tibet ist weiterhin miserabel. Dies wurde von den meisten Beobachter-Organisationen bestätigt, und in jüngster Zeit sogar von dem Bericht des US State Department zu den Menschenrechten in China. Das TCHRD erhielt Kenntnis davon, daß seit Januar 2004 einundzwanzig Tibeter verhaftet wurden, denen friedliche politische Aktivitäten vorgeworfen werden. Weiterhin
werden 145 Tibeter, deren Identität bekannt ist, immer noch in verschiedenen Gefängnissen in Tibet festgehalten, nur weil sie ihre grundlegenden Menschenrechte in Anspruch nahmen. Verbleib und Befinden des Panchen Rinpoche, Gedhun Choekyi Nyima, sind immer noch unbekannt. Viele bedeutende religiöse Persönlichkeiten werden wegen ihrer religiösen Überzeugungen und politischen Einstellung verfolgt. Tulku Tenzin Delek und Bangri Tsamtrul Rinpoche, zwei prominente religiöse ührungspersönlichkeiten aus Osttibet, verbüßen derzeit wegen ihnen unbewiesen zur Last gelegten Delikten lebenslange Haftstrafen, nachdem sie zuerst zum Tode verurteilt worden waren. China nahm im Oktober 2004 die Hartdurchgreif-Kampagne wieder auf, welche der Polizei unbegrenzte Autorität und die Befugnis gibt, gegen vermeintliche “separatistische” Aktivitäten von Tibetern scharf vorzugehen.

Die VR China lehnt jegliches multilaterale Verfahren zur Überprüfung ihres Umgangs mit den Menschenrechten strikt ab und geht einer Überführung bei der jährlichen Menschenrechtskommission in Genf geflissentlich aus dem Wege. Sie behauptet, solche Verfahren stellten eine Einmischung in ihre “inneren Angelegenheiten” dar. Sie gibt dem bilateralen Dialog über Menschenrechte den Vorzug, um es nicht zu einer möglichen öffentlichen Verurteilung ihrer Menschenrechtsbilanz bei multilateralen Foren kommen zu lassen. Doch die über die Jahre geführten bilateralen Gespräche haben bisher keinerlei Besserung der Menschenrechtslage in China, geschweige denn in Tibet, gezeitigt. Sie führten nur zur gelegentlichen Freilassung einiger prominenter politischer Gefangener, aber hielten China nicht davon ab, weiterhin die Menschenrechte zu verletzen. Derartige Freilassungen ändern nicht die Gesetze und die Praktiken, zu denen die chinesischen Behörden regelmäßig greifen, um Personen wegen der
friedlichen Wahrnehmung ihrer Rechte auf freie Meinungsäußerung, Versammlung und anderer rundlegender Rechte festzunehmen und in Haft zu halten.

Als eine Menschenrechtsorganisation möchte das TCHRD die internationale Gemeinschaft daran erinnern, daß China in Tibet immer noch schwere Menschenrechtsverletzungen begeht, welche die unmittelbare Aufmerksamkeit und Intervention der Vereinten Nationen und ihrer Mitgliedstaaten erfordern. Das TCHRD drängt die VR China, die grundlegenden Menschenrechte des tibetischen
Volkes zu achten und sie durch geeignete gesetzliche Verfügungen und deren wirksame Umsetzung zu gewährleisten. Es ruft ferner die UN-Mitgliedstaaten dazu auf, sich wirksam dafür einzusetzen und politischen Druck auf China auszuüben, damit sich seine Menschenrechtsbilanz verbessert.

Übersetzung: Adelheid Dönges, Angelika Mensching
Internationale Gesellschaft fur Menschenrechte (IGFM)
Arbeitsgruppe München

 

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