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21.12.2005 - "Website für tibetische Kultur kurzzeitig geschlossen, Chefredakteur verschwunden"

Ende März wurde die Website für tibetische Kultur www.tibetcul.com vorübergehend abgeschaltet, der verantwortliche Herausgeber ist seither verschwunden.

Das China Information Center berichtete am 30. März 2005 über die Schließung der “Website Tibetische Kultur: “Die Website wurde von der Xueyu Zangren Cultural Exchange Co Ltd aus der nordwestchinesischen Provinz Gansu ins Netz gestellt und am 25. März von der Internet-Verwaltungsabteilung des PSB Lanzhou geschlossen.” Es wird spekuliert, von Internetsurfern plazierte Texte über “heikle Themen” könnten zu der Schließung geführt haben. Der Chefredakteur und verantwortliche Herausgeber der Website, Tsewang Norbu, ist seitdem verschwunden. Nach massiven Protesten verschiedener Organisationen aus aller Welt wurde die Schließung rückgängig gemacht.
Über den Verbleib von Tsewang Norbu ist indessen nichts bekannt geworden.

Peking betrachtet das Internet als Schlüsselinstrument für den Empfang, den Austausch und die Verbreitung abweichender politischer Informationen und Ideen. Deshalb haben die chinesischen Behörden seiner Überwachung und Kontrolle zunehmende Aufmerksamkeit geschenkt. Peking hat bereits mehrere Millionen Dollar für ein landesweites Überwachungssystem ausgegeben und konnte Websites mit mutmaßlich gegen die Regierung gerichteten Inhalten erfolgreich blockieren.

“Reporter ohne Grenzen”, eine internationale Organisation, die sich für die Pressefreiheit einsetzt, kritisierte bereits Ende 2003 die Pläne der chinesischen Behörden zur Errichtung eines landesweiten Überwachungssystems mittels streng kontrollierter Internetcafe-Ketten. Es wurde Überwachungs- und Kontrollsoftware in den Internetcafes installiert, womit sich die Behörden über die übermittelten
Informationen auf dem Laufenden halten können. Im April 2004 führte die Abteilung des Public Security Bureau Lhasa für Internetsicherheit eine Pflicht-Registrierungskarte für Internetbenutzer ein. Alle Surfer müssen auf einem Formular ihre Ausweis- oder Bürger-Identifikationsnummer (chin. shen fen zheng)
eintragen, bevor sie ins World Wide Web gehen dürfen. In Tibet ist es möglich, alle Informationen, durch welches Medium, ob Radio, Presse, Internet, Fernsehen oder Telefon, sie auch übermittelt werden, zu blockieren.

Das Recht auf Information bildet die Grundlage für mehrere andere grundlegende Menschenrechte. Bei ihrer ersten Sitzung im Jahr 1946 proklamierte die UN-Generalversammlung: “… die Informationsfreiheit ist ein grundlegendes Menschenrecht und der Prüfstein für all jene Freiheiten, denen sich die Vereinten
Nationen verpflichtet fühlen”. Das Recht auf Information ist ein integraler Bestandteil des Rechts auf Meinungs- und Redefreiheit.

Das TCHRD mißbilligt die zeitweilige Sperrung der Website “Tibetische Kultur” und fordert die Behörden dazu auf, das Recht von Tibetern und Chinesen auf Information zu respektieren sowie den freien Informationsfluß in jeglicher Form zu gestatten. Des weiteren verlangt das TCHRD, daß die chinesische Regierung den Aufenthaltsort von Tsewang Norbu bekanntgibt.

Übersetzung: Irina Raba, Adelheid Dönges, Angelika Mensching
Internationale Gesellschaft fur Menschenrechte (IGFM)
Arbeitsgruppe München

 

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