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21.12.2005 -
"'Bald die ersten Yetis in der Schweiz???' Von Bären, Yaks und Yetis"
Die Welt, 4.8.05: Kaum tauchen in Mitteleuropa die ersten Bären auf, bilden sich schon wieder neue Legenden um die Tiere. Vor einigen Tagen wurde gemeldet, daß zum ersten Mal seit über hundert Jahren im Schweizer Engadin ein Braunbär gesichtet worden sei. Das Tier steht im Verdacht, inzwischen nach Südtirol eingewandert zu sein und dort einen Yak-Bullen aus Reinhold Messners tibetischer Herde getötet zu haben. Mit dem Bergsteiger und Yeti-Forscher Messner sprach Ulli Kulke:
DIE WELT: Was halten Sie davon, daß Bären in den Alpen wieder frei herumlaufen? Messner: Das ist ja schon länger der Fall. Im Trentino gibt es seit Jahrzehnten wieder Bären. Daß sie bei uns allerdings so große Tiere wie Yaks anfallen, das ist nicht alltäglich. DIE WELT: Sie beklagen den Verlust eines Ihrer Yaks. Messner: Wie ich inzwischen erfahren habe, ist das nicht unbedingt der Bär aus der Schweiz gewesen. Jedenfalls wurde ein Yak in meiner Abwesenheit notgeschlachtet, nachdem es schwer verletzt wurde. Das Fell des Bullen wird darüber Aufschluß geben, ob ein Bär die Ursache war. DIE WELT: Was denken Sie denn über Bären? Messner: Ich habe kein Problem mit ihnen. Ich habe bei meinen Yeti-Forschungen ja selbst jahrelang Schneebären nachgestellt. Ich hatte dabei aber nie Angst, weil die Tiere ja vor Menschen weglaufen. DIE WELT: Was ist, wenn der Bär seine Scheu vor Menschen verliert? Messner: Scheu vor den Menschen ist eine relative Angelegenheit. Er hat ja bisher noch niemanden angefallen, sondern läuft davon. Er ist aber ein Fleischfresser, und das ist wohl vielen unangenehm. DIE WELT: Damals bei Ihrer Yeti-Suche war Ihnen ja schnell klar, daß es sich bei ihnen um eine Bärenart handelt... Messner: Das ist eine ziemlich komplizierte Sache. Fest steht, daß sie die Tibeter nicht aus der Luft gegriffen haben. Meine Yeti-Forschungen haben ergeben, daß die Geschichte auf eine Braunbärenart zurückgeht. DIE WELT: Sind sich die Bären in Tibet und in Südtirol ähnlich? Messner: Der Tod meines Yaks weist zumindest Parallelen zu den bekannten Angriffen von Schneebären auf Yak-Herden in Tibet auf. DIE WELT: Ist bei Ihnen überhaupt einmal so etwas vorgefallen? Messner: Nein. Der Bär in Südtirol ist ja auch erst seit ein paar Monaten dort, wo ich meine Herde halte. DIE WELT: Der Bär hat das Yak ja offenbar angefallen, um sich ein Stück von ihm herauszubeißen. Wie schmecken Yaks denn? Messner: Die schmecken exzellent. Das Aroma liegt zwischen dem von Wild und Rind. Und in Tibet ist ein großer, hungriger Yeti oder Bär, in dem Fall gilt beides, eben in der Lage, einen erwachsenen Yak-Bullen umzubringen. DIE WELT: Wenn der Bär aus der Schweiz Ihr Yak getötet hat, muß er ja vorher eine sehr lange Wegstrecke zurückgelegt haben. Messner: Ein Bär beansprucht ein riesiges Habitat, etwa in der Größe von halb Südtirol. Er wandert Tag und Nacht. Um mit letzter Gewißheit ermitteln zu können, ob es der Schweizer Bär war, muß ich mir den gerissenen Yak-Bullen wie gesagt erst anschauen. DIE WELT: Haben Sie nicht doch Angst vor Braunbären? Messner: Angst keine. Aber ich würde sie nicht gerade hätscheln.
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