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21.12.2006 - "Chinesische Grenzpolizei erschiesst tibetische Nonne auf der Flucht"
Video der unglaublichen Szenen im Grenzgebiet Tibet - Nepal: www.protv.ro Erschiessung einer flüchtenden Nonne "Urgent Action" von Amnesty International und Protestbrief zum Herunterladen unter "Aktuelle Aktion" Email Protest-Aktion der ITSN GOB Olympia Kampagne "Email protest-Aktion" Pressemitteilung vom 25. Oktober 2006 der Tibetorganisationen "Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft (GSTF)", der "Verein Tibeter Jugend in Europa (VTJE)" und die "Tibetische Frauenorganisation in der Schweiz (TFOS)" Tibet-Organisationen fordern Bundesrätin Calmy-Rey auf, bei ihrem China-Besuch nachdrücklich für die Einhaltung der Menschenrechte, insbesondere auch in Tibet, einzutreten und mit eindeutigen Worten die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen zu verurteilen. In einem Brief an Frau Calmy-Rey anlässlich ihrer bevorstehenden China-Reise machen die Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft (GSTF), der Verein Tibeter Jugend in Europa (VTJE) und die Tibetische Frauenorganisation in der Schweiz (TFOS) vor allem auf folgende Punkte aufmerksam: 1. Erst kürzlich wurde eine 17-jährige Nonne, die das Land nach Indien verlassen wollte, auf dem Nangpa-La-Pass von chinesischen Grenz¬wachen hinterrücks erschossen – und zwar vor den Augen von über 100 ausländischen Bergsteigern. Flugs verbreiteten die offiziellen Medien die Lüge, dass die Flüchtlinge Widerstand geleistet und die Grenzwachen zur „Selbstverteidigung“ das Feuer eröffnet hätten. Ein Video zeigt, wie die Nonne ohne Zeichen von Gegenwehr aus der Distanz in den Rücken getroffen wird. Die Bergsteiger kommentierten: „Sie haben auf sie geschossen wie auf Hunde… Sie hätten sie ohne Gewalt festnehmen können“. Nach fast 15-minütigem Gewehrfeuer wurden etwa dreissig der Flüchtlinge, davon die Hälfte Kinder, anschliessend verhaftet und abgeführt. Über ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Für weitere Infos:
• dass die Lebensverhältnisse für Tibeter in Tibet infolge der massiven Einwanderung von Han-Chinesen und deren systematische Bevorzugung in Bildung und Wirtschaft immer schlechter werden Kontaktperson: - Loten Namling, TGSL, Kehrsatz, 031-951 50 80
Die Tibeter Gemeinschaft in der Schweiz & Liechtenstein (TGSL) verurteilt vehement die Schüsse auf tibetische Flüchtlinge durch die chinesische Bewaffnete Volkspolizei (PAP). Zu der Schießerei, die zum Tod der 17jährigen Nonne Kelsang Nortso führte und bei der Kunsang Namgyal, 20, verletzt wurde, kam es, als 71 Flüchtlinge (und zwei Führer) sich anschickten, den Gletscher des Nangpa La, eines 18.753 Fuß (= 5.716 m) hohen Passes in der Nähe des Cho Oyu Basislagers zu überqueren. 30 Flüchtlinge, die versuchten zu fliehen, wurden gefangen genommen. 14 davon sind Kinder, das jüngste ist fünf Jahre alt. Von den Flüchtlingen, die unverletzt blieben und nicht gefaßt wurden, werden einige vermißt, während 41 (darunter 27 minderjährige unter 18 Jahren) inzwischen Kathmandu erreichten, wo sie sich in der Obhut des Hochkommissariats für Flüchtlinge der Vereinten Nationen befinden. Erst nachdem die internationale Presse über den Fall berichtete, tat die chinesische Regierung den ungewöhnlichen Schritt, eine offizielle Erklärung zu dem Schießvorfall abzugeben. Das chinesische Außenministerium bestätigte, daß mehrere Tibeter bei einem Grenzzwischenfall verletzt worden seien, dementierte aber, dass irgend jemand durch die Schüsse getötet worden sei. Die Behörden behaupten, einer der Verletzten sei im Hospital an „Sauerstoffmangel“ gestorben. Die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua erklärte, die tibetischen Flüchtlinge hätten, als sie zur Umkehr aufgefordert wurden, „sich geweigert und statt dessen die Soldaten angegriffen“, so daß „die Grenzsoldaten gezwungen waren, sich zu verteidigen und dabei zwei Flüchtlinge verletzten“. Das Außenministerium bestätigte die Behauptung, jegliche Gewaltanwendung seitens der PAP sei lediglich zu ihrer Selbstverteidigung erfolgt. Nach Augenzeugenberichten von Bergsteigern jedoch, die sich in der Nähe aufhielten, um den Cho Oyu zu besteigen, sind die Flüchtlinge den Berg hinaufgerannt, um dem Kugelhagel zu entkommen. Sie bekräftigen auch, dass mindestens ein Flüchtling durch das Gewehrfeuer getötet wurde. Der Bergsteiger-Website MountEverest.net zufolge berichtete ein amerikanischer Bergsteiger: „Ohne Warnung ertönten plötzlich Schüsse. Wieder und wieder und wieder. Die Leute standen nicht mehr auf.“ Es gibt keine Berichte, dass irgendeiner der Tibeter Waffen getragen hätte. Ein britischer Bergsteiger berichtete, seine Gruppe „konnte sehen, wie die chinesischen Soldaten ziemlich nah am vorgezogenen Basislager hinknieten, ihr Ziel anvisierten und wieder und wieder auf die Gruppe feuerten, die völlig schutzlos war“, und im Bericht des rumänischen Bergsteigers Sergiu Matei heißt es, „die chinesische Miliz trieb die Tibeter auf den Gletscher zu und schoß auf sie wie auf Ratten, auf Hunde, auf Kaninchen...“. Die Handlungsweise der PAP verstößt gegen eine Reihe internationaler und nationaler Gesetze. Art. 14 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verfügt: „Jeder Mensch hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgungen Asyl zu suchen und zu genießen“. Auch das Internationale Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge von 1951 spricht legitimen Flüchtlingen dieselben Rechte zu, wie sie die Einwohner des jeweiligen Staats genießen. Die Behauptung des chinesischen Außenministeriums, es habe sich um einen Akt der Selbstverteidigung gehandelt, hält internationalem Recht nicht stand. Obwohl Art. 51 der UN-Charta ein Recht auf Selbstverteidigung verbürgt, darf dieses Recht nur dann rechtmäßig ausgeübt werden, wenn ein Staatsbürger mit Waffen angegriffen wird. Ausländische Augenzeugen bestätigen jedoch, daß die Flüchtlinge nicht bewaffnet waren. Der Report vom 27. Juli 2006, „Verhinderung von Menschenrechtsverletzungen durch Kleinwaffen und leichte Waffen“, der von der UN-Sonderberichterstatterin Barbara Frey vorgelegt wurde, erläutert weiter, wann Staaten das Recht auf Selbstverteidigung haben: „Art. 51 der Charta der Vereinten Nationen bezieht sich auf Staaten, die in Selbstverteidigung gegen bewaffnete Angriffe auf ihre staatliche Souveränität handeln. Er bezieht sich nicht auf Situationen, wo sich Einzelpersonen selbst verteidigen müssen.“ Sie fügt hinzu, daß „Staatsbeamte die Verletzung [von Menschenrechten] durch Kleinwaffen unterlassen müssen“. Die Tibeter Gemeinschaft in der Schweiz & Liechtenstein appelliert an den UN-Menschenrechtsrat und die Mechanismen für den Schutz und die Förderung der Menschenrechte, den am Nangpa La erschossenen tibetischen Flüchtlingen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und sicherzustellen, daß die festgenommenen Tibeter unverzüglich und unversehrt freigelassen werden. Tibeter Gemeinschaft in der Schweiz & Liechtenstein Lobsang Gangshontsang Pasang Memmishofer Kontaktadresse: Click here for more information on this shooting incident: Radio Free Asia [RFA] Die Gruppe, die ursprünglich aus etwa 80 Menschen bestand, brach am 30. September/1. Oktober zur Flucht aus dem chinesisch kontrollierten Tibet auf, berichteten Mitglieder der Gruppe – 41 Asylsuchende und zwei Guides –, die schließlich am 10. Oktober in Kathmandu eintraf. „Als die Chinesen auf uns schossen, bekam ich entsetzliche Angst. Es fällt mir immer noch schwer, darüber zu sprechen, was geschehen ist", sagte ein Mann nach seiner Ankunft im Empfangszentrum für tibetische Flüchtlinge (TRRC) in Kathmandu bei einem Interview. „Alles war so hektisch und chaotisch, ich dachte nur noch daran, am Leben zu bleiben und zu fliehen. Ich war nicht imstande, an etwas anderes zu denken oder den anderen zu helfen. Die Chinesen feuerten wohl 15 Minuten lang auf uns. Ich spürte, wie die Kugeln an meinen Ohren vorbeipfiffen. Wohl fünf Kugeln zischten an mir vorbei, aber glücklicherweise verfehlten sie mich. Ich war in solcher Panik, daß ich mit Händen und Füßen in dem etwa knietiefen Schnee vorwärts kroch." Der Mann, der ungenannt bleiben möchte, sagte, die Gruppe hätte die Schüsse zuerst für Feuerwerkskörper gehalten, weil viele westliche Bergsteiger in der Gegend unterwegs waren. Tibeter weisen die Behauptung der Chinesen zurück „Keiner hat mit den chinesischen Soldaten gekämpft. Ich habe doch alles gesehen, ich bin sicher der einzige Tibeter, der alles gesehen hat. Ich warf meinen Rucksack weg und rannte in das Lager der westlichen Bergsteiger“, sagte ein Mann, der sich in einem Toilettenzelt des Lagers versteckt hatte. „Ich verbarg meine anderen Sachen hinter dem Zelt, setzte eine Mütze auf und stellte mich mitten unter die westlichen Bergsteiger. Ich sah, wie chinesische Soldaten auf die Tibeter feuerten. Alle rannten so schnell sie konnten durch den Schnee, kein einziger versuchte zurückzuschießen.“ „Um zurückzuschießen, hätten wir Waffen gebraucht, aber wir hatten doch keine. Wir hatten den chinesischen Soldaten, die bewaffnet waren, nichts entgegenzuhalten“, sagte ein anderer, der ebenso wie die übrigen befragten Tibeter anonym bleiben möchte. „Wir hatten nur unsere Hände und Fäuste. Wir hatten keine Möglichkeit, uns gegen die gut bewaffneten Soldaten zu verteidigen.“ Eine Tibeterin aus der Gruppe meinte: „Keiner kämpfte mit den chinesischen Solodaten. Ich sah keine Tibeter, die sich gewehrt hätten. Das war nicht möglich.“ „Wir rannten und versuchten, so schnell wir konnten zu entkommen“, sagte ein vierter Interviewpartner. „Die chinesischen Soldaten schossen von hinten auf uns. Wir hatten keine Chance, uns zu wehren.“ Ein weiterer Tibeter, der sich zwei Nächte lang in den Bergen versteckt hatte, ehe er die Grenze nach Nepal überquerte, sagte: „Ich sah ein kleines Kind… und noch einen kleinen Jungen, der am Fuß getroffen worden war und einen alten Mann. Bis zum späten Nachmittag wurden sie in der Gegend festgehalten, dann brachte die chinesische Polizei sie weg.“ „Diejenigen, die später flohen, sahen den Körper der Nonne, die erschossen worden war. Es war die 17 Jahre alte Kelsang Nortso aus dem Kreis Driru in der Präfektur Nagchu (chin. Biru Xian). Sie gaben einem Yak-Hirten vor Ort 100 Yuan und baten ihn, die Leiche wegzubringen, aber später hörten wir, daß er es nicht getan hat. Wir wissen nicht, was danach geschah“, sagte der zweite Mann. Bericht der Westler „Wir hörten fünf Schüsse, ganz schnell hintereinander“, sagte der Bergsteiger. „Dann sahen wir eine Reihe von Flüchtlingen, die den Berg hinaufstiegen, und hinter ihnen offensichtlich chinesische Soldaten mit Gewehren.“ Tibeter, die als Köche in dem Basislager arbeiteten, hätten berichtet, sieben Personen seien getötet und ihre Leichen in Gletscherspalten geworfen worden, so der Bergsteiger weiter. Diese Information konnte nicht bestätigt werden. Aussagen von Ortansässigen auf der nepalesischen Seite „Vierzig konnten entkommen und etwa 37 wurden von der chinesischen Polizei festgenommen. Von diesen wurden sieben entweder verletzt oder getötet. Am 1. Oktober überquerten weitere drei Tibeter denselben Paß, und auch auf sie schossen die Chinesen, aber sie konnten unverletzt entkommen. Es waren etwa acht bis neun bewaffnete chinesische Polizisten, die auf die fliehenden Tibeter schossen.“ Der Ortsbewohner sagte, die Flucht über die Berge würde immer gefährlicher, weil die bisherigen tibetischen Grenzsoldaten nach und nach durch Han-Chinesen ersetzt würden. „Die Chinesen rekrutieren Einheimische, um die Flüchtlinge zu bespitzeln und sie zu denunzieren. Die Spitzel in dieser Gegend bekommen 300 Yuan pro Monat und außerdem einen Bonus, wenn sie tibetische Flüchtlinge aufspüren und anzeigen.“ fügte er hinzu. Ein Beamter im Amt für Außenbeziehungen der Autonomen Region Tibet [TAR], der vom Chinesischen (Mandarin) Dienst von RFA kontaktiert wurde, lehnte eine Stellungnahme zu dem Vorfall ab: „Über diese Angelegenheit herrscht Unklarheit. Wir wissen nichts darüber. Ich habe nichts davon gehört. Ich kann Ihnen keine Auskunft geben.“ Dann legte er auf. Telefonanrufe des Kantonesischen Dienstes von RFA bei der Abteilung für Auswärtige Angelegenheiten der Tibetischen Regierung-im-Exil in Dharamsala blieben ebenso unbeantwortet wie die bei der chinesischen Botschaft in Nepal. In den letzten Jahren riskierten Tausende von Tibetern den illegalen Grenzübertritt nach Nepal und Indien auf der Suche nach besseren Bildungsmöglichkeiten und religiöser Freiheit. Viele von ihnen bleiben in Dharamsala, einer Stadt in Nordindien, wo ihr Oberhaupt, der Dalai Lama, nach einem fehlgeschlagenen Aufstand gegen die chinesische Herrschaft seit 1959 im Exil lebt. Über 20.000 tibetische Flüchtlinge leben gegenwärtig in Nepal; alle Neuankömmlinge jedoch müssen jetzt in das benachbarte Indien weiterreisen. Originalbericht des Tibetischen Dienstes von RFA. Direktor: Jigme Ngapo. Übersetzung und Redaktion: Karma Dorjee. Zusätzliche Berichterstattung: Lillian Cheung vom Kantonesischen und Xin Yu und Xi Wang vom Chinesischen (Mandarin) Dienst von RFA, sowie Richard Finney. Produktion (engl.): Luisetta Mudie. Redaktion (engl.): Sarah Jackson-Han.
Nachdem die internationale Presse über den Fall berichtete, tat die chinesische Regierung den ungewöhnlichen Schritt, eine offizielle Erklärung zu dem Schießvorfall abzugeben. Das chinesische Außenministerium bestätigte, daß mehrere Tibeter bei einem Grenzzwischenfall verletzt worden seien, dementierte aber, daß irgend jemand durch die Schüsse getötet worden sei. Die Behörden behaupten, einer der Verletzten sei im Hospital an „Sauerstoffmangel“ gestorben. Die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua erklärte, die tibetischen Flüchtlinge hätten, als sie zur Umkehr aufgefordert wurden, „sich geweigert und statt dessen die Soldaten angegriffen“, so daß „die Grenzsoldaten gezwungen waren, sich zu verteidigen und dabei zwei Flüchtlinge verletzten“. Das Außenministerium bestätigte die Behauptung, jegliche Gewaltanwendung seitens der PAP sei lediglich zu ihrer Selbstverteidigung erfolgt. Nach Augenzeugenberichten von Bergsteigern jedoch, die sich in der Nähe aufhielten, um den Cho Oyu zu besteigen, sind die Flüchtlinge den Berg hinaufgerannt, um dem Kugelhagel zu entkommen. Sie bekräftigen auch, daß mindestens ein Flüchtling durch das Gewehrfeuer getötet wurde. Der Bergsteiger-Website MountEverest.net zufolge berichtete ein amerikanischer Die Handlungsweise der PAP verstößt gegen eine Reihe internationaler und nationaler Gesetze. Art. 14 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verfügt: Die Behauptung des chinesischen Außenministeriums, es habe sich um einen Akt der Selbstverteidigung gehandelt, hält internationalem Recht nicht stand. Obwohl Art. Das TCHRD appelliert an den UN-Menschenrechtsrat und die Mechanismen für den Schutz und die Förderung der Menschenrechte, den am Nangpa La erschossenen tibetischen Flüchtlingen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und sicherzustellen, daß die festgenommenen Tibeter aus der Gruppe, die zu fliehen versuchte, unverzüglich und unversehrt freigelassen werden.
Diejenigen, die den Schüssen entkommen konnten, kletterten über den Paß. Die meisten von ihnen kommen aus dem Kreis Driru, Präfektur Nagchu, der Rest stammt aus dem Kreis Tengchen, der Stadt Nagchu, den Kreisen Dranag, Pasho, Riwoche, Sog Dzong, Gyamda, der Stadt Dartsedo, dem Kreis Drakyab und der Stadt Kandze. Die nepalesischen Behörden hatten ihnen die Durchreise vom Nangpa-La nach Kathmandu gestattet, so daß sie ohne weitere Zwischenfälle sicher im TRTC eintrafen. Die Guides weigerten sich aus Sicherheitsgründen, nähere Angaben zu machen. Ein Mönch aus dem Kreis Gyamda, ein Augenzeuge des Geschehens, berichtete: "Wir waren 75 Personen und fuhren von Lhasa aus mit einem Lastwagen, auf dem wir zwei Tage lang unterwegs waren. Dann ging es ungefähr 20 Tage zu Fuß weiter. In der Nähe des Passes angelangt, brachen wir frühmorgens auf und baten die Bergsteiger im Basis-Lager des Cho Oyu um Nahrung. Wir waren noch beim Essen, als plötzlich die Soldaten auftauchten. Sie fingen an, auf uns zu schießen und wir rannten weg. Wir hatten 15 Kinder zwischen 8 und 10 Jahren dabei, von denen nur eines entkam. Alle anderen wurden festgenommen. Ich rannte, so schnell ich konnte, um mein Leben zu retten und betete dabei zu Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama. Ungefähr eine Viertelstunde lang schossen die Soldaten. Sie waren zu fünft, drei verfolgten uns und die anderen beiden hielten die Personen fest, die sie erwischen konnten. Die Soldaten riefen uns laut irgend etwa zu, vermutlich um uns zu warnen, aber ich verstand nichts, weil ich in großer Panik war. Ich hörte nur, wie die Schüsse an mir vorbeipfiffen. Es war ein solcher Schock für mich, daß so viele von uns festgenommen wurden. Ich hatte 4500 Yuan für den Guide bezahlt. Ich kann nicht genau sagen, wie viele Leute von den Gewehrkugeln getroffen wurden, da wir in Panik auseinanderstoben. 36 von uns entkamen als erste dem Kugelhagel, die anderen tauchten erst später wieder auf; wahrscheinlich hatten sie sich versteckt. Über den Paß waren es etwa zwei Stunden, er war knietief mit Schnee bedeckt. Eine Nonne aus unserer Gruppe wurde erschossen, und ein Junge aus Kandze wurde am Bein getroffen. Wir gingen an der Spitze der Gruppe, als sie auf uns zu schießen begannen, und wir merkten nicht, daß die Leute hinter uns festgenommen wurden, weil wir möglichst schnell den Paß überwinden und auf nepalesisches Gebiet gelangen wollten. Ich sah, wie westliche Bergsteiger den Vorfall fotografierten, ich hoffe, daß sie Bilder davon haben. Es waren zwei Männer und eine Frau. Zwei von unserer Gruppe sind aus Kongpo, woher die anderen kamen, weiß ich nicht, aber es waren viele aus dem Kreis Driru dabei." Ein anderer Augenzeuge aus dem Kreis Riwoche berichtete: "Ich sah die Nonne, die erschossen wurde – sie wurde durch eine einzige Kugel in den Rücken getötet. Ein Junge wurde zweimal am Bein getroffen. Ich wurde auch angeschossen, aber ich hatte Glück, denn die Kugel erwischte nur meine Hose. Ich versuchte, wegzurennen, aber ich war nicht schnell genug. Deshalb versteckte ich mich mit einigen anderen von 8 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags im Schnee. Auf diese Weise konnten wir entkommen, denn wir waren nur ungefähr eine halbe Stunde von der Grenze entfernt, als sie auf uns schossen. Ich habe die tote Nonne gesehen, aber ich weiß nicht, was mit ihrem Leichnam geschah. Ich ging etwa in der Mitte der Gruppe, die meisten Leute rannten so schnell sie konnten davon, als die Soldaten kamen. Die Kinder konnten nicht wegrennen und wurden daher festgenommen, und auch einige Erwachsene wurden gefangengenommen." Die meisten Tibeter fliehen im Winter, weil diese Jahreszeit am besten für sie ist, um sich an das indische Wetter zu gewöhnen und vermutlich auch, weil die Wetterbedingungen am Nangpa-La-Paß den Soldaten die Grenzkontrolle erschweren. Die Mitglieder der Gruppe werden alle mit Hilfe des UNHCR nach Indien weiterreisen und dort zuerst vom Dalai Lama empfangen. Danach werden sie auf verschiedene tibetische Schulen und Klöster verteilt werden.
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