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21.12.2007 -
"Dreist - Die Pressearbeit der Chinesen in Tibet"
NDR TV, 29.8.07, Sendung: Zapp Wer als Journalist und Korrespondent in China arbeitet, darf sich über Schikanen nicht wundern. Belästigungen, Einschüchterungsversuche und Gewalt gegen regimekritische Informanten gehören zum Alltag. Zu Beginn des Jahres hatte sich die Regierung mit Blick auf die Olympischen Spiele um eine Imagekorrektur bemüht und den Auslandskorrespondenten bessere Arbeitsbedingungen versprochen. Geändert hat sich wenig, vor allem, wenn es um Tibet geht. Ohne spezielle Genehmigung haben Journalisten dort überhaupt keinen Zutritt. Gerne aber übernimmt das chinesische Außenministerin die Reiseführung - ein ARD-Team hat einen Pressetross durch Tibet begleitet. Zapp über eine chinesische Propanganda-Tour voller Widersprüche. Den sehr interessanten ganzen Artikel finden Sie hier
Anmoderation: Weniger Zensur, mehr Meinungs- und Pressefreiheit - auf ihrer Chinareise hat Bundeskanzlerin Angela Merkel klar gemacht, was sie von Peking erwartet. Als erste deutsche Regierungschefin hat sich die Kanzlerin sogar mit regimekritischen und mutigen Journalisten getroffen. Und sie hat ihre Amtskollegen aufgefordert den Medien bessere Arbeitsbedingungen und mehr rechtliche Sicherheit zu bieten. Genau das hatte die chinesische Führung in Hinblick auf die Olympischen Spiele bereits vor Monaten versprochen, doch geändert hat sich wenig. Vor allem, wenn es um Tibet geht. Journalisten haben nach wie vor kaum Zutritt, es sei den, das chinesische Außenministerium übernimmt die Führung. Nicole Bölhoff über eine groteske Propagandatour. Beitragstext: Morgengesang im Sakya-Kloster bei Shigatse. Eigentlich darf hier nicht gefilmt werden, doch das chinesische Außenministerium, als Veranstalter der Pressereise, hat eine Ausnahme durchgedrückt. Vor der Kulturrevolution lebten hier 1.300 Mönche, aber viele sind vor den chinesischen Eroberern ins Exil geflohen. Die noch anwesende Klosterführung agiert nun ganz im Sinne der kommunistischen Partei. Das Außenministerium hat für 30 Journalisten aus dem Ausland die Tibetreise organisiert. Ihre drängendsten Fragen gelten der Religionsfreiheit und dem Dalai Lama. Doch egal mit welchem Mönch sie sprechen, die Antworten klingen stets wie eine Regierungserklärung. Auch dieser Mönch distanziert sich vom Dalai Lama. Inszenierung für die Presse Jedes Wort, dass der Mönch äußert, wird von den Mitarbeitern des Außenministeriums akribisch notiert. Barbara Lüthi, SF Schweizer Fernsehen: "Ich bin mir absolut sicher, dass die Interviews absolut inszeniert sind. Es ist völlig klar, dass, wenn die Chinese Party Officials daneben stehen, dass er nicht seine freie Meinung äußern kann. Ich bin aber auch sicher, dass es Kollaborateure gibt. Ich bin auch sicher, dass es Tibeter, Mönche gibt, die sehr eng mit der kommunistischen Regierungen zusammenarbeiten, weil sie ihnen einfach gewisse Freiheiten gibt. Aber ich war auch von diesen Antworten nicht überrascht." Ein neuer Tag, ein neues Ziel. Eine Woche kreuz und quer durch Südtibet. Die Pressevertreter bekommen einiges geboten: Faszinierende Natur, Zugang zu Tempeln und Klöstern, abenteuerliche Pisten. Keine kritischen Fragen Die Botschaft der Tour ist klar: Die Chinesen sind keine Besatzer, sondern Befreier. Die Tibeter genießen angeblich Religionsfreiheit und Autonomie. Tibets Regierungschef wiederholt gebetsmühlenartig: Tibet sei es noch nie so gut gegangen, alles nur dank der chinesischen Fürsorge. Kritische Fragen werden ignoriert. Next question please - nächste Frage. Nach zwei Stunden Belehrung sind alle dankbar, das Ministerium verlassen zu können. Verwertbare Informationen hat hier keiner bekommen. Michael Bostow, BBC-Reporter: "Sie sprechen nie über Fakten, bleiben immer sehr allgemein, dass sich Dinge verbessern. Es wird aber gar nicht erst gesagt, was das Problem vorher war. Jeder Reporter in China hat ein großes Problem, denn für eine Geschichte braucht man Fakten. Auch von offizieller Seite. Das ist schon sehr frustrierend hier, denn Fakten die bekommt man nie." Wann immer es möglich ist, versuchen die Journalisten mit normalen Menschen in Kontakt zu kommen. Angst mit Journalisten zu reden Han-Chinesen geben bereitwillig Auskunft, doch viele Tibeter wagen es nicht, mit ausländischen Reportern zu sprechen. Thomas Etzler, Korrespondent Tschechisches Fernsehen: "Die Tibeter sagen zu uns, wenn sie mit uns ausländischen Journalisten sprechen, landen sie im Gefängnis. Ein Taxifahrer immerhin hat uns erklärt, dass seine Landsleute den Dalai Lama sehnlichst zurück haben wollen. Aber die meisten sind starr vor Angst, über dieses Thema mit uns zu reden." Abseits vom offiziellen Programm finden wir in diesem Dorf dann doch eine tibetische Familie, die uns erzählt, wie sehr sie sich die Rückkehr des Dalai Lama wünscht. Sie dürfen nicht mal ein Foto von ihm besitzen. Die angebliche Religionsfreiheit, für sie der reinste Hohn. Zu ihrer Sicherheit haben wir diese Bilder total verfremdet. Der nächste Morgen: Pressekonferenz im Industriegebiet, doch die Journalisten nutzen die Gelegenheit, einen tibetischen Arbeiter zu interviewen. Offen erklärt er, seine chinesischen Kollegen bekommen das Dreifache an Geld für die gleiche Arbeit. Dieses Interview stand nicht auf der Tagesordnung. Gelockerte Pressepolitik durch Olympia? Hektisch besorgen die Verantwortlichen vom Außenministerium einen chinesischen Arbeiter, der das ganze wieder ins rechte Licht rücken soll. Doch zu spät. Das Urteil der Journalisten steht fest. Barbara Lüthi: "Also, ich hab überhaupt nicht erwartet, dass wir hier irgendwie mehr erfahren. Ich bin einfach erstaunt, dass sie sich so viel Mühe geben uns quasi zu beweisen, dass alles hier gut läuft. Ich meine, wir sind alle Journalisten, wir wissen, dass es nicht so ist. Wir kennen die andere Seite." Doch diese andere Seite, die hässliche Seite Chinas, soll auf dieser Reise verborgen bleiben. So wie Tibets massive Umweltprobleme. Die Gletscher schmelzen, viele Flüsse verschlammen. Doch darüber kein Wort. Präsentiert wird stattdessen ein kleines Naturschutzgebiet am Rande Lhasas. Immerhin, die Journalisten müssen nicht jeden Programmpunkt mitmachen. Gegenüber früher eine große Erleichterung. Stephen McDonell, Korrespondent Australisches Fernsehen ABC: "Im Vergleich zu früher hat sich die Pressepolitik Chinas schon verbessert. Hier bei diesem Trip durften wir zum Beispiel Termine ausfallen lassen und stattdessen unser eigenes Ding drehen. Für mich schon ein Zeichen, dass China sich öffnet." Schwierig, an Fakten zu gelangen Hoch oben, vom Potala Palast aus, zeigt sich der massive Umbau der tibetischen Hauptstadt in ein typisch chinesisches Zentrum. Die Chinesen haben ihre eigenen, neuen Tempel gebaut - Shopping-Center! Echtes Tibetisches gibt es nur noch auf engstem Raum, wie hier in Lhasas Altstadt. Nach sieben Tagen mit dem chinesischen Außenministerium auf Tour ziehen die Journalisten ein vernichtendes Urteil. Akihiko Suzuki, Japanische Zeitung "The Asahi Shimbu": "Ich wusste, dass es schwierig werden würde, an Fakten zu gelangen. Aber das es so hart werden würde, hätte ich nicht gedacht. Wie die Tibeter hier eingeschüchtert werden, wenn sie mit uns reden wollen, ist schon erschütternd." Tibetische Folklore an einem der letzten Abende, der beinahe schon makabere Höhepunkt der Reise. Zu sehen bekommt die Presse das, was sich Chinesen unter tibetischer Kultur vorstellen. An Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten. Die Verballhornung einer Jahrtausende alten Kultur. Der Gipfel einer misslungenen Propaganda-Tour.
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