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21.12.2008 - "IOC verkauft Medienfreiheit: Die chinesische Diktatur hat im Internationalen Olympischen Komitee einen willigen Komplizen gefunden."

China behindert Journalisten, Videobericht: REUTERS

Tages Anzeiger, 30. Juli 2008, 20:37 – Von Henrik Bork
Olympische Spiele unter Zensur
China und das Internationale Olympische Komitee (IOC) haben die Weltöffentlichkeit monatelang gemeinsam getäuscht. Sie hatten stets freie Berichterstattung während der Pekinger Spiele versprochen. Nun erklärt Kevan Gosper, der Vorsitzende der Pressekommission des IOC, er und das IOC seien da «ohnmächtig» gegenüber den Chinesen. China sei ein kommunistisches Land und lasse sich nicht vorschreiben, ob es das Internet zensiere oder nicht.
Dieser plötzliche Schwenk so kurz vor Beginn der Spiele ist eine Frechheit. Denn derselbe Kevan Gosper und auch IOC-Präsident Jacques Rogge hatten noch in diesem Monat ...

nicht nur öffentlich behauptet, die Berichterstattung während der Pekinger Sommerspiele werde frei sein. Als Beispiel für diese Freiheit hatten sie ausgerechnet immer wieder jenen «unzensierten» Zugang zum Internet herangezogen, den sie nun aufgeben wollen. China blockt nicht nur die Webseiten von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International, sondern auch kritische Medien in aller Welt und eine Vielzahl sensibler Webseiten zu Themen wie Tibet, Taiwan oder dem Tiananmen-Massaker.

Dieses Verhalten lässt vermuten, dass es seit langem eine Komplizenschaft zwischen dem IOC und China gegeben hat. Das IOC muss gewusst haben, dass China eine störrische Diktatur ist, deren Wort nicht viel gilt. Aber dies früher einzugestehen, hätte den Verzicht auf das Milliardengeschäft Olympia in den Raum gestellt.

China mit doppelter Zunge
Jetzt ist auch unwiderruflich klar geworden, dass China stets mit doppelter Zunge gesprochen hat, wenn es freie Berichterstattung während der Spiele versprochen hat. Mit frei meinen die Chinesen also unzensierte Berichterstattung über 100-Meter-Läufe. Das, was im Westen darunter verstanden worden ist, war ihnen zwar sehr wohl bewusst - eine politisch freie Berichterstattung während der Spiele, also freies Recherchieren, Gespräche mit Regimekritikern, möglicherweise sogar Reisen nach Tibet. Doch sie hatten nie vor, ihr Wort zu halten. Ausreichend für die Weltpresse ist das, was China für ausreichend hält, und dazu hat es nun auch noch den Segen des IOC.

Der wahre Skandal aber ist hier das Lavieren des IOC. Er entschuldige sich dafür, wenn seine Aussagen über freien Internetzugang irreführend gewesen seien, sagt der IOC-Mann Gosper nun scheinheilig. Das wird so nicht genügen. Wenn Gosper wirklich so ohnmächtig ist, wie er behauptet, sollte er schleunigst zurücktreten. Und Jacques Rogge muss Druck auf die Chinesen machen, das Internet doch noch freizuschalten. Das IOC darf nicht vergessen, dass es einen Teil seiner Milliardeneinnahmen den internationalen Medien verdankt. Ein so unverschämter Wortbruch sollte da auch Folgen haben.

 

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