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21.12.2008 - "Tibet: Das Dach der Welt bleibt abgeschottet"

Die Presse (A), 25.9.08: JUTTA LIETSCH, PEKING
Journalisten dürfen nur unter strenger Überwachung nach Lhasa, Touristen kommen nur sehr spärlich.

In Tibet sind nicht nur in den großen Klöstern, sondern neuerdings auch in den kleineren Tempeln permanente Polizeistützpunkte eingerichtet worden. „Politische Schulungen“, in denen Mönche und Nonnen dem Dalai Lama abschwören müssen, gehören zum Klosteralltag.

Nach wie vor werden Tibeter festgenommen, manche verschwinden in Geheimgefängnissen, berichten Bürgerrechtler und Exilorganisationen. Zu den Opfern gehören Nonnen und Mönche, aber auch zwei Dokumentarfilmer.

Viele der Inhaftierten würden schwer misshandelt, ...

.... heißt es. Erst vor wenigen Tagen wurde ein tibetischer TV-Journalist, Washu Rangjong, festgenommen, berichtete der Exilsender „Voice of Tibet“. Einige Mönche sind jüngst in der Provinz Qinghai aus der Haft entlassen worden. Sie werden allerdings weiterhin streng bewacht.

Dünne Nachrichtenlage

Über die Olympischen Spiele in Peking ist Tibet in den Hintergrund geraten. Gut ein halbes Jahr nach den Unruhen in Lhasa vom 14. März, die sich bald auf die Nachbarregionen ausdehnten, ist die Nachrichtenlage noch immer dünn. Die Tibeter wagen es aus Furcht vor Repressionen nicht mehr, über ihre Situation zu berichten. Nur noch wenige ausländische Hilfsorganisationen arbeiten in Lhasa, die meisten dürfen nicht mehr durch die tibetische Region reisen.

Auch für ausländische Journalisten bleibt Tibet in der Regel gesperrt. Nur wenige wurden in den vergangenen Monaten nach Lhasa gelassen – stets streng überwacht von örtlichen Aufpassern. So bleibt weitgehend im Dunkeln, was derzeit auf dem Dach der Welt wirklich passiert.

Zwar ist Tibet seit einigen Wochen wieder für Touristen geöffnet, die aber machen sich noch rar. Viele Firmen und Restaurants stehen vor der Pleite, weil ausländische und chinesische Besucher ausbleiben. In den ersten sechs Monaten 2008 kamen 70 Prozent weniger Touristen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Nach wie vor stehen schwer bewaffnete Polizisten in den Straßen der Hauptstadt und kontrollieren Ausweise.

Die chinesischen Medien berichten derzeit wenig über Tibet – und wenn, dann betont positiv. Ein Beispiel: Erstmals wurden am 17. September Persönlichkeiten offiziell als moralische Vorbilder erkoren, die besonders „patriotisch“, „zuverlässig“ und „zivilisiert“ seien. Geehrt wurde unter anderem ein Tibeter, der Proteste von Nonnen der Polizei gemeldet hatte. Ein anderer habe sich ideologisch im Kampf gegen Anhänger des Dalai Lama bewährt, hieß es.

Wirtschaftlich geht es nach offiziellen Informationen in Tibet weiter bergauf. Die Regierung kündigte neue Investitionen von über zwei Milliarden Euro an.

Hauptproblem Zuwanderung

In den kommenden fünf Jahren sollen fünf neue Industriezonen errichtet, zehn Bergwerke vergrößert und mehrere Fabriken gebaut werden. Die insgesamt 22 Projekte sollen Arbeitsplätze für fast 15.600 Menschen schaffen. Nicht nur chinesische, auch kanadische und andere Unternehmen sind an den Kupfer-, Nickel- und Goldvorkommen der Region interessiert.

Ein hoher Funktionär hat jüngst eingeräumt, dass die massive Zuwanderung aus China die Proteste im März ausgelöst haben könnte. Die chinesische „Wanderbevölkerung“ sei „nicht richtig gehandhabt“ worden, sagte er auf einer Regierungskonferenz in Lhasa.

Pekings Haltung gegenüber dem Dalai Lama hat sich nicht geändert. Er wird stets als „unverbesserlicher Separatist“ bezeichnet. Der Dialog steckt fest. Der Tibeter will in seinem Exil im indischen Dharamsala demnächst eine große Konferenz veranstalten, auf der über die künftige Strategie gegenüber China debattiert werden soll.

 

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