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Der Karmapa verlässt TibetEiner der wichtigsten religiösen Würdenträger Tibets, der 17. Karmapa, Urgyen Trinley Dorje, verließ Tibet und traf vor zwei Tagen in Dharamsala ein. Der 14-jährige Knabe, das Oberhaupt einer der vier Hauptschulen des tibetischen Buddhismus und die erste tibetisch-buddhistische Reinkarnation, die sowohl vom Dalai Lama als auch der chinesischen Regierung anerkannt wurde, traf um 10.30 Uhr des 5. Januar nach einer 7-tägigen Reise von seinem Stammkloster in Tibet am Wohnsitz des Dalai Lama ein. Auch von Xinhua verlautete, dass der Karmapa sein Kloster in Tibet verlassen hat: Er hätte dort jedoch einen Brief hinterlassen, worin stünde, dass er ins Ausland gereist sei, um die «Musikinstrumente der tibetischen Messe und die schwarzen Kronen" des vorherigen Karmapas zu holen. In dem Brief hätte der Karmapa auch erklärt, dass seine Tat nicht bedeute, dass er «den Staat, die Nation, das Kloster oder seine Führungsposition verrate». Haben Sie Informationen und interessante links zum Thema, werden wir Sie gerne veröffentlichen. Als Oberhaupt der Kagyu Schule des Tibetischen Buddhismus ist der junge Karmapa einer der wichtigsten und angesehensten religiösen Persönlichkeiten Tibets. Deshalb ist seine Entscheidung, Tibet offensichtlich ohne offizielle Erlaubnis zu verlassen, sowohl für die tibetische Exilgemeinde als auch für die chinesische Regierung von Bedeutung. Besondere Sicherheitsvorkehrungen wurden um Urgyen Trinley Dorje an seinem Sitz im Kloster Tsurphu in der Nähe von Lhasa getroffen, nachdem er 1992 als die Reinkarnation des 16. Karmapa anerkannt wurde. Einzelheiten über seine Reise nach Indien, sowie über die derzeitige Lage im Tsurphu Kloster, das in Kreis Toelung Dechen, Präfektur Lhasa liegt, stehen noch aus. Die zurückhaltende Reaktion der Chinesen auf die Nachricht der Ankunft des Karmapa in Indien und die Tatsache, daß sie ihn nicht anprangerten, lässt schließen, dass sie die Tür für eine baldige Rückkehr des Karmapa nach Tibet offen halten möchten. Bisher erfolgte noch keine offizielle Stellungnahme der tibetischen Exilregierung über die zukünftigen Pläne des Knaben. Einige seiner westlichen Anhänger sagten zwar, dass er einige Zeit in Sherabling, dem Kloster seines Lehrers Situ Rinpoche, verbringen wird, ehe er sich nach Rumtek, dem Exilsitz des 16. Karmapa in Sikkim, begeben wird. Wenn der Karmapa in Indien bleibt, dann wird das für die Chinesen, die ständig beteuern, dass die Tibeter volle religiöse Freiheit genießen, peinlich sein. Der letzte hohe religiöse Führer, der Tibet verließ, war Agya Rinpoche, der ehemalige Abt des Kumbum Klosters in der Provinz Qinghai, der 1998 ins Exil ging. Dem Karmapa war nach seiner Inthronisierung 1992 nicht gestattet, Tibet zu verlassen, um seine Lehrer in Indien aufzusuchen, und das trotz der Zusicherungen der Chinesen bei seiner Anerkennung, dass er Zugang zu seinen religiösen Tutoren bekäme, besonders zu dem hohen Kagyu Lama Situ Rinpoche, der eine zentrale Rolle bei der Auffindung des reinkarnierten Karmapa spielte. Ebenfalls war den hohen Lamas, die für die Erziehung des jungen Karmapa verantwortlich sind, der Besuch in dem Tsurphu Kloster verweigert worden. TIN erhielt Hinweise, dass seit einiger Zeit Sorge unter den Tibetern besteht wegen der Versuche der Chinesen, den Karmapa zu manipulieren und ihn zu ihren eigenen Zwecken zu missbrauchen, etwa um die Autorität des Dalai Lama in Tibet zu untergraben. Der Karmapa war zweimal auf Tournee in China und hatte verschiedene Politiker, sogar Jiang Zemin getroffen. Vor etwa einem Jahr, nach einem Treffen mit chinesischen Staatsleuten in Peking, darunter Li Ruihuan, dem Vorsitzenden der Politischen Konsultativ-Konferenz des chinesischen Volkes, wurde von der Pekinger Zeitung «Chinas Tibet» berichtet, dass er in einer Rede auf Mandarin-Chinesisch gesagt hätte, dass er bei seinem Besuch «eine Lektion in Patriotismus» bekommen hätte und der Mahnung Jiang Zemins, «hart für die Einigung des Mutterlandes und die nationale Einheit zu arbeiten», Folge leisten würde. Während Li Ruihuan sagte, dass das «gesunde Heranwachsen» und der «Fortschritt» des Karmapa «große Auswirkung auf die Entwicklung und Stabilität Tibets» haben würde (Xinhua, 27. Jan. 1990). Besorgnis über die erste China-Tournee des Karmapa in 1994, als er am 1. Oktober ein Ehrengast bei der Feier des Nationaltages in Peking war, führte zu Unwillensbekundungen im Kloster Tsurphu. Jetzt im Exil befindliche Quellen sagen, dass Ende 1994 Plakate im dem Kloster erschienen mit Kritik an der Regierung und dem «Demokratischen Verwaltungs-Komitee des Klosters» wegen des Verbotes für den Karmapa, nach Indien zu reisen. Einmal warfen Mönche sogar Steine auf die Fahrzeuge dieses Komitees. Anfang 1995 wurden mindestens 6 Mönche von Tsurphu im Zusammenhang mit diesen Zwischenfällen festgenommen, von denen drei, Nyima Tenzin, Konchog Trinley und der Gesangsmeister Druggyue Choephel, zu zwei Jahren Arbeitsreform verurteilt wurden. Karma Rinchen und Dradul wurden zu 6 Monaten Arbeitsreform verurteilt,während der sechste Mönch, Dawa, nach 2 Wochen wieder entlassen wurde. Der Karmapa traf mit dem von China erkorenen Panchen Lama, Gyaltsen Norbu, mindestens zweimal zusammen. Er war bei seiner Inthronisation 1995 anwesend, wo er gezwungen wurde, sich vor dem 6 Jahre alten Jungen niederzuwerfen. Auch im Juli 1999 wurde er nach Shigatse gebracht, um Gyaltsen Norbu zu begrüßen, als dieser die Stadt besuchte. Am 25. August 1999 berichtete Xinhua, daß der Karmapa seine grundlegenden Studien in Buddhimus beendet hätte und nun die meiste Zeit mit weiterem Studium verbringe und eine Stunde täglich den Sitzungen vorstehe. Die Anerkennung des 17. Karmapa: Die Suche nach dem 17. Karmapa begann nach dem Tod des 16. Karmapa im November 1981. Vier hohe Lamas der Karma-Kagyu Richtung, Situ Rinpoche, Shamar Rinpoche, Jamgon Kongtrul und Gyaltsab Rinpoche fungierten als Regenten und hatten die Verantwortung, gemeinsam die Reinkarnation des Karmapa ausfindig zu machen. Im März 1992 kündigte Situ Rinpoche an, dass er einen prophetischen Brief des 16. Karmapa entdeckt hätte, der ihm die notwendigen Hinweise zur Identifizierung eines Knaben in Osttibet liefern würde. Als Jamgon Kongtrul, dem die Aufgabe übertragen war, nach Tibet zu reisen, um den Kandidaten zu finden, in einem Autounfall in Indien ums Leben kam, kehrte sich Shamar Rinpoche von Situ Rinpoche und seinem Kandidaten ab, womit er den Beginn zu einem Disput legte, der bis heute andauert. Am 7. Juni 1992 kündigte der Dalai Lama seine offizielle Gutheißung des Kandidaten an, nachdem er sich auf den Streit unter den Regenten hin mit Situ Rinpoche beraten hatte. Situ Rinpoche wandte sich nun an die chinesischen Behörden, die einer Such-Delegation erlaubten, nach Osttibet zu reisen, wo sie den Nomadensohn Urgyen Trinley Dorje fanden und ihn formell als den 17. Karmapa identifizierten. Er wurde am 13. Juni 1992 nach Lhasa geleitet. Die Chinesen kündigten ihre formelle Billigung am 27. Juni an, dem Tag, als der Knabe seine erste religiöse Zeremonie durchführte. Am 27. Sept. 1992 fand in dem Kloster Tsurphu, dem traditionellen Sitz der Karmapas, die Inthronisierung statt, die auch von chinesischen Regierungsvertretern besucht wurde. Diese benutzten die Gelegenheit, um zu betonen, dass sie ein historisches und legales Recht hätten, religiöse Führer in Tibet zu ernennen. Die Kontroverse um die Reinkarnation erhob sich, als Shamar Rinpoche ankündigte, dass er die Authentizität des von Situ Rinpoche vorgelegten Briefes nicht akzeptiere. 1994 stellte er einen Gegenkandidaten auf, Thaye Dorje, den er und seine Anhänger immer noch als den wahren Karmapa betrachten. Shamar Rinpoche und Thaye Dorje befinden sich derzeit auf einer Europa Tournee. [TIN News Update, Tibet Information Network, City Cloisters, 188-196 Old Street, London EC1V9FR, fax +44/178149015, e-mail: tin@tibetinfo.net, www. Tibetinfo.net 7. Januar 2000, Übersetzung: IGFM München] c/o Wilhelm H. Ludwig Tel (+49 89) 897 01 081 Fax (+49 89) 871 39 357 e-mail: whludwig@t-online.de
Flucht des 17. Gyalwa KarmapaGSTF-Hintergrundinformationen Der 14-jährige Urgyen Trinley Dorje, 17. Inkarnation des Gyalwa Karmapa, floh kurz nach Neujahr aus seinem von chinesischen Sicherheitskräften bewachten Kloster Tsurphu, etwas ausserhalb der Hauptstadt Lhasa. Details seines Entkommens sind noch nicht bekannt; offenbar täuschte er die Sicherheitskräfte mit dem Wunsch, einige Tage allein in einer Einsiedelei in Meditation zu verbringen, und verschaffte sich damit einen Vorsprung vor der Entdeckung seiner Flucht. Er nahm, von 4 Vertrauten begleitet, nahezu die gleiche Fluchtroute wie seinerzeit der Dalai Lama und erreichte am 5. Januar nach einwöchigem Fussmarsch über tiefverschneite Himalaya-Pässe Indien. Die Organisationen der Exil-Tibeter wollten die Flucht nicht weiter kommentieren, ausser dass sie an der Vorbereitung nicht beteiligt waren und dass Karmapa sehr erschöpft sei und vor allem Ruhe benötige. Die offizielle chinesische Nachrichtenagentur Xinhua bestätigte die Flucht, stritt aber politische Gründe ab; Karmapa habe in einem zurückgelassenen Brief versichert, sein Weggang sei nicht als «Verrat an Staat, Nation oder dem Kloster Tsurphu» zu verstehen, sondern er wolle lediglich religiöse Objekte seines Vorgängers im Ausland suchen. Die einzige vom Dalai Lama und von China offiziell anerkannte Inkarnation Nachdem der 16. Karmapa, der im Exil gelebt hatte, im November 1981 in den USA einem Krebsleiden erlegen war, wurde Urgyen Trinley Dorje am 7.Juni 1992 offiziell vom Dalai Lama als Inkarnation bestätigt und mit ausdrücklicher Genehmigung der chinesischen Behörden aus seinem Heimatdorf in Tibet am 13. Juni 1992 nach Lhasa geleitet und am 27. September 1992 in dem Stammkloster der Karmapas, im nahe Lhasa gelegenen Kloster Tsurphu, inthronisiert. Er ist damit der einzige hochrangige religiöse Würdenträger Tibets, der gleichermassen vom Dalai Lama und China anerkannt ist. Der Anerkennung von Urgyen Trinley Dorje war aber auch innerhalb der Karma-Kagyu-Schule im Exil ein erbitterter Streit um seine Legitimität als Inkarnation vorausgegangen, der in Hangreiflichkeiten und Mordverdacht gipfelte. Von Teilen der Karma-Kagyu-Schule wird ein anderer Junge als Inkarnation angesehen, der ebenfalls in Indien lebt. Die Karma-Kagyu-Schule und die Inkarnationslinie der Karmapas wurde von dem 1283 verstorbenen Lehrer Marpa begründet und ist damit wesentlich älter als die der Dalai Lamas. Die Karmapas genossen bis ca. Mitte des 17. Jahrhunderts etwa den gleichen Status wie später die Dalai Lamas. Beweggründe und Folgen der Flucht Ueber die Beweggründe der Flucht wird derzeit spekuliert, dass China gegenüber dem 17. Karmapa mehrere Absprachen nicht eingehalten habe, so z.B. dass dieser das Recht habe, seine Religionslehrer aus dem Ausland einzuladen oder selbst zur weiteren religiösen Erziehung ins Ausland zu reisen. Ausserdem seien er und seine Vertrauten verärgert gewesen, dass er zunehmend zu politischen Zwecken manupuliert werde. Bei seinem Besuch in Beijing vor einem Jahr, bei dem er auch Staatspräsident Jiang Zemin traf, wird er von der staatlichen Nachrichtenagentur Chinas, Xinhua, mit den Worten zitiert, dass er (in chinesischer Sprache) «für die Einheit des Mutterlandes» zu arbeiten gelobte und der Regierung für die «Lektion in Patriotismus» danke. Auch im Kloster Tsurphu selbst kam es seit 1994 zunehmend zu Protestaktionen und sogar kleinen Handgreiflichkeiten gegen die staatliche Aufsicht und offenkundige Manipulation. Insgesamt 6 Mönche wurde verhaftet und zu Strafenin Arbeitslagern verurteilt. Für China stellt die Flucht einen herben Rückschlag dar, die Tibeter mittels (manipulierter) Würdenträger zu kontrollieren. Xinhua reagierte auch prompt und betonte, die Flucht habe unpolitische Hintergründe. Karmapa habe einen Brief hinterlassen, in dem er als Grund für das «Verlassen Chinas» angab, er wolle im Ausland befindliche religiöse Utensilien seines Vorgängers suchen. Auch die Exil-Tibeter hielten sich mit Stellungnahmen zurück; möglicherweise will keine Seite die Möglichkeit der Rückkehr des Karmapa nach China verbauen. Mit Karmapa befinden sich nun die Führer aller 4 buddhistischen Religionsrichtungen Tibets im Exil. Als einziger hoher Würdenträger ist seit fast 5 Jahren der XI. Panchen Lama, der 10-jährige Gendun Choekyi Nyima, weiter im chinesischen Herrschaftsbereich und wird mit seiner Familie an einem unbekannten Ort festgehalten. Quellen: Tibet Information Network TIN 7. Januar 2000
Überwachung im Kloster des Karmapa in Tibet verschärft. Reinkarnation des Reting Rinpoche von TAR Regierung ernannt. Untersuchungen, wie es dazu kam, dass der Karmapa den Sicherheitskräften in dem Tsurphu Kloster entging, wurden sofort gestartet, nachdem die Chinesen auf sein Verschwinden aufmerksam wurden; augenblicklich wurden alle Überwachungsmaßnahmen in dem Kloster, das in dem Distrikt Toelung der Präfektur Lhasa liegt, verstärkt. Eine Quelle berichtete TIN, dass kurz danach Einheiten der bewaffneten Volkspolizei (PAP) in Tsurphu eintrafen. Es heißt auch, dass die Mönche von Tsurphu in ihrem Kloster eingeschlossen wurden, was schließen lässt, dass einige vernommen wurden, während mindestens 2 Mönche verhaftet und in die Distrikthauptstadt gebracht wurden. Auch auf den Straßen zur Grenze Tibets nach Süden wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Auf Verlangen von Spitzenfunktionären der Chinesischen Kommunistischen Partei wurde eine dringende Versammlung des Staatsrates und der TAR Regierung einberufen, um Gegenmaßnahmen auf das Verschwinden des Jungen hin zu erörtern, wie von der Hongkonger Zeitung Ming Pao am 9. Januar berichtet wurde. Auch wurden die Polizeibehörden von Tibet und Lhasa instruiert, den Vorfall zu untersuchen, hieß es dort weiter. Ming Pao zufolge glaubt die chinesische Regierung, dass der Karmapa «von gewissen Personen benützt und zur Abtrünnigkeit aufgestachelt» wurde. Auch hätte die Sache «mit den im Exil befindlichen separatistischen Kräften des Dalai Lama in Indien» zu tun. Der Bericht fügt hinzu, daß Peking «auf verschiedene Weise» versuche, den Karmapa in Indien zu kontaktieren, «um die Lage besser zu verstehen oder ihn zur Rückkehr zu überreden.» Nach einem Bericht von Press Trust of India traf ein Onkel des Karmapa, Namgyal Gompu, am 12. Januar in Dharamsala ein, um dem Karmapa zwei Briefe zu überbringen, in denen stehe, er solle im Interesse seiner Familie, die noch in Tibet ist, dorthin zurückkehren. Es überrascht nicht, daß angesichts der politischen Brisanz, die seine Anwesenheit in Indien auslöste, seine weiteren Pläne noch unklar sind. Die indische Regierung hält an ihrer offiziellen Position fest, daß der Karmapa noch nicht um politisches Asyl nachsuchte, während Quellen in Dharamsala meinen, dass die indische Regierung eine Kompromisslösung suchen könnte, indem sie dem Karmapa denselben Flüchtlingsstatus wie den meisten Tibetern in Indien gewährt. Das würde ihm das Bleiberecht und Reisedokumente geben, ohne die indische Regierung in die Zwickmühle zu versetzen, ihm politisches Asyl zu gewähren oder zu verweigern. Sollte er in Indien bleiben, so ist es unwahrscheinlich, dass er sofort nach Kloster Rumtek in Sikkim, dem Sitz des 16. Karmapa, reisen wird: teilweise wegen der anhaltenden Kontroverse um einen Rivalen auf den Titel des Karmapa und auch wegen der politischen Empfindlichkeit des Bundesstaates Sikkim. China hat nämlich bisher die von Indien 1975 vorgenommene Annektierung Sikkims noch nicht anerkannt und betrachtet Sikkim als ein unabhängiges Land. Anerkennung von Reting Rinpoche Die offizielle Erklärung der Anerkennung des 7. Reting Rinpoche erfolgte bereits zwei Tage, nachdem der Karmapa das Kloster Tsurphu verlassen hatte, in Lhasa. Der stellv. Bürgermeister von Lhasa, Dargye, erklärte bei einer Pressekonferenz am 30. Dezember 1999, dass eine Bitte des Demokratischen Verwaltungskomitees des Klosters Reting, die Reinkarnation des 6. Rinpoche von Reting, der im Februar 1997 verstorben war, zu suchen, von der TAR Regierung ordnungsgemäß gebilligt wurde, wobei «eine Reihe von Fakten besonders berücksichtigt werden sollten, etwa, dass der 6. Reting Rinpoche das Land und die Religion während seines Lebens sehr liebte, sowie einen großen Einfluss auf die breiten Massen der Mönche und Laien hatte». Xizang Ribao (Tibet Daily) berichtete über Dargyes Rede und betonte, dass die Suche nach dem Reting Rinpoche streng nach den traditionellen Methoden durchgeführt werde «einschließlich der Divination und der Achtung auf Visionen in Seen, die von hohen Mönchen von großer Tugend in der Region gesehen werden». Der Bericht vom 31. Dezember erwähnt auch, dass die Mitglieder der Suchkommission über 2.300 km reisten, 670 Kinder in 31 Gemeinden in 8 Distrikten in Augenschein nahmen und dann 20 Kinder zur näheren Begutachtung auswählten. Der Kandidat sei von den «höheren Autoritäten» bestätigt worden und der nächste Schritt sei nun, «das Haar des Kindes zu schneiden, seinen Mönchsnamen zu wählen und die Inthronisation durchzuführen, um dieses große buddhistische Werk zufriedenstellend zu vollenden», sagte Dargye weiter. Die offizielle Kontrolle der Suche nach Reinkarnationen in Tibet ist vielen Tibetern ein Dorn im Auge, die die Einmischung des atheistischen Staates in eine ihrer wichtigsten religiösen Traditionen für unannehmbar halten. Ein Sprecher der tibetischen Exil-Regierung in Dharamsala, Thupten Samphel, sagte heute, dass «die Anerkennung traditionell von S.H. dem Dalai Lama» kommen muss. Die Bestimmung einer Reinkarnation «kann keine administrative Entscheidung sein, sie ist eine Frage des Glaubens der Leute». Ein anderer Exiltibeter meinte, dass die Regierung in Tibet «nicht dafür Sorge trage, eine authentische Reinkarnation zu finden, sondern dass sie den ganzen Prozess so handhabe, dass sie irgendein gewöhnliches Kind nominiert, dem sie dann einen Titel aufsetzt und das sie nach ihren eigenen politischen Zwecken aufzieht.» Tradition ist, wenn ein reinkarnierter Lama stirbt, dass die älteren Mönche seines Klosters die Suche nach einem Nachfolger durchführen und dann den Dalai Lama um seinen Rat fragen, insbesondere wenn es irgendeinen Konflikt um die Wahl des Richtigen gibt. Wie weit der Dalai Lama sich damit zu befassen hat, hängt von dem Status der zur Debatte stehenden Reinkarnation ab. Thupten Samphel meinte TIN gegenüber, dass im Falle der Anerkennung des 7. Reting Rinpoche die Zustimmung des Dalai Lama entscheidend wäre wegen der besonderen Beziehung zwischen dem Dalai Lama und dem 5. Reting Rinpoche (1913-1947), nämlich der «eines Schülers zu seinem Lehrer». Die ganze Frage der Reinkarnation wurde 1995 aktuell, als der Konflikt zwischen hergebrachtem Glauben und Praxis und offiziellen Diktaten um die Anerkennung des 11. Panchen Lama ausbrach. Als der Dalai Lama im Mai 1995 Gendun Choekyi Nyima als die Reinkarnation des Panchen Lama anerkannte, wurde der Knabe mit seiner Familie von den Chinesen in Verwahrsam genommen, während ein anderer Kandidat, Gyaltsen Norbu, als Panchen Lama inthronisiert wurde. Dieser Konflikt führte zu der Verhaftung von vielen Mönchen und einer Gefängnisstrafe von 6 Jahren für Chadrel Rinpoche, den Leiter des Suchkomitees, der damals Abt von Tashilhunpo, dem Stammkloster des Panchen Lama, war. Die Versuche der chinesischen Regierung, ihrer Autorität bei der Suche nach den tibetischen Reinkarnationen Ausdruck zu verleihen, sind nur ein Aspekt der in dem vergangenen Jahrzehnt immer härter gewordenen Kontrolle über alle religiösen Aktivitäten und religiösen Würdenträger in China. Der «patriotische Umerziehungsfeldzug», der im Mai 1996 in der TAR gestartet wurde und seitdem in Klöstern innerhalb und außerhalb der TAR durchgeführt wird, erfasste auch Tsurphu und Reting (in Kreis Lhundrub). Er stellt die bisher umfassendste Aktion der Regierung dar, ihre Macht über die Klöster zu konsolidieren und jeden Dissens sofort zu ersticken. Da ein zentraler Punkt dieser Kampagne die Forderung ist, daß die Mönche sich vom Dalai Lama abkehren müssen, entfesselte er in vielen Klöstern aller tibetischer Gebiete Widerstandsbekundungen. Sowohl Tsurphu als auch Reting wurden in den letzten Jahren immer wieder in der offiziellen Presse als Modelle «patriotischer» Klöster gerühmt, und ihre jeweiligen Oberhäupter, der Karmapa und der verstorbene 6. Reting Rinpoche, wurden in den chinesischen Medien als patriotische Vorbilder dargestellt. Trotz ihres «patriotischen» Status gab es jedoch Berichte über Proteste in beiden Klöstern, die zur Verhaftung von Mönchen in Tsurphu und in Reting führten. Über den Reting Rinpoche Der 5. Reting Rinpoche war eine bedeutsame und kontroverse Gestalt in der modernen Geschichte Tibets. Durch Divination im Januar 1934 nach dem Tod des 13. Dalai Lama als Regent erkoren, spielte Reting Rinpoche eine Schlüsselrolle bei der Auffindung des gegenwärtigen Dalai Lama. Als Regent hatte er auch das formelle Amt des ersten Tutors des jungen 14. Dalai Lama inne. Nach seinem Rücktritt 1941 wurde er später der Konspiration mit den Chinesen gegen die tibetische Regierung beschuldigt und im April 1947 verhaftet. Unter ungeklärten Umständen starb er einen Monat später im Gefängnis. Der 6. Reting Rinpoche war historisch eine weniger bedeutende Figur. Unter kommunistischer Ägide aufgezogen, wurde ihm sein erster offizieller Posten als Mitglied des Ständigen Ausschusses der Buddistischen Vereinigung der TAR 1956 im Alter von 8 Jahren angetragen. Während der Kulturrevolution musste auch er die «Kampfsitzungen» erleiden und war dann ein Jahr eingesperrt. Er wurde formell Ende der 70er Jahre rehabilitiert und wurde wieder mit mehreren offiziellen Posten ausgezeichnet. Wie der 10. Panchen Lama führte auch er ein weltliches Leben und heiratete nach seiner Gefangenschaft. Der 6. Reting Rinpoche starb am 13. Februar 1997.
Flucht des Karmapa belastet die Beziehungen Indien - China, GSTF 02.02.2000 Während sich die Tibeter im Exil gegenüber der indischen Regierung dafür einsetzen, dem 17. Gyalwa Karmapa politisches Asyl zu gewähren, warnte China scharf vor diesem Schritt. Um Zeit zu gewinnen, bat Indien in einer Note China um offizielle Aufklärung über die Umstände seiner Flucht aus Tibet. China gab unterdessen zu, dass die «Ausreise des Karmapa ohne Einhaltung der Ausreisebestimmungen» erfolgt sei. Möglich erscheint als Kompromiss, dass Indien dem Karmapa entweder Identitätspapiere wie allen anderen Flüchtlingen aus Tibet ausstellt und er damit im Lande bleiben kann, oder ihm die Ausreise in ein Drittland gestattet. Karmapa hält sich unter grossen Sicherheitsvorkehrungen in einem Kloster nahe Dharamsala in Nordindien auf und hat sich bisher nicht öffentlich zu seiner Flucht geäussert. Derweil überprüft Indien sein Sicherheits-Dispositiv: wie konnte Karmapa ohne jede Kontrollen die internationale Grenze Nepal-Indien und die Strassenposten an mehreren indischen Provinzgrenzen passieren? Gerade in der indischen Presse gab es zum Teil verwegene Spekulationen über die Umstände seiner Flucht. Die Unterstützer der von einer anderen Fraktion der Karma-Kagyu-Schule anerkannten, konkurrierenden Inkarnation des Karmapa behaupten, die Flucht sei im Einvernehmen mit dem Dalai Lama von China inszeniert worden. Der Dalai Lama wolle um jeden Preis die Tibet-Frage vor seinem Tode regeln, und Karmapa sei ein willkommener Vermittler. Ausserdem sei es beiden daran gelegen, die konkurrierende Inkarnation zu schwächen. China setzt 7. Inkarnation des Reting Rinpoche ein Nur wenige Tage nach Bekanntwerden der Flucht des Karmapa setzte China einen 2-jährigen Jungen als 7. Inkarnation des Reting Rinpoche ein. Der Dalai Lama verweigerte dem Jungen die Anerkennung. Die Einsetzung durch China ist auch von politischer Signifikanz. Reting wurde ebenso wie Tsurphu, das Heimatkloster der Karmapas, bislang als «patriotisches» Kloster öffentlich belobigt. Die Reting Rinpoches haben insofern politische Bedeutung, als mehrere von ihnen während der Kinder- und Jugendzeit der Dalai Lamas als Regenten die Regierungsgeschäfte in Tibet führten wie auch der 5. Reting Rinpoche, der vor der Volljährigkeit des jetzigen 14. Dalai Lama für einige Jahre Regent war, dann abgesetzt wurde, in politische Intrigen verwickelt wurde und unter ungeklärten Umständen in Haft starb. Resolution des EU- Parlaments zur Session der UN-Menschenrechtskommission Das EU-Parlament begrüsst in einer Resolution die Absicht der USA, bei der diesjährigen Session der UNCHR einen Resolutionsantrag zur Verurteilung Chinas einzubringen und fordert die EU-Kommission auf, diesen Resolutionsantrag zu unterstützen. In der Resolution des EU-Parlaments wird auf die sich verschlechternde Lage der Menschenrechte in China hingewiesen. Die Resolution äussert sich nicht nur zu Tibet, sondern auch zu Einschränkungen der Freiheiten in Hong Kong und Macao, zur Unterdrückung der Falun-Gong-Sekte und christlichen Kirche und zu anderen Problemregionen wieXinkiang und der Inneren Mongolei. Die diesjährige 56. Session der UNCHR findet vom 20. März bis 25. April in Genf statt. [Der vollständige Text der EU-Resolution liegt mir in Englischer Sprache vor und kann auf Wunsch angefordert werden. UM] GSTF Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft Quellen: Tibet Information Network (TIN); Reuters-Nachrichtenagentur
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