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Schließt den Dalai Lama nicht aus

von Lodi Gyaltsen Gyari, Far Eastern Economic Review.
Der Autor, mit Stützpunkt in Washington, ist Sonderabgesandter des Dalai Lama.

Das Gipfeltreffen 1998 zwischen dem chinesischen Führer Jiang Zemin und dem amerikanischen Präsidenten Bill Clinton hatte Hoffnungen geweckt, dass es bald Fortschritte in der Tibet-Frage geben würde. Diese Hoffnung war jedoch nur von kurzer Dauer, da das Gipfeltreffen nicht zu Gesprächen zwischen dem Führer Chinas und S.H. dem Dalai Lama führte.

Anzeichen aus Peking deuten darauf hin, dass es innerhalb der Führerschaft bezüglich der Tibet-Frage eine intensive Debatte gibt. Die Pragmatiker sind immer noch nicht in der Mehrheit und neue Informationen deuten darauf hin, dass Peking eine härtere Linie gegen Tibet hat, als in der Öffentlichkeit dargestellt. Ende 1999 veröffentliche eine tibetische Tageszeitung inIndien, die Tibet Times, ein vertrauliches Dokument, in dem ein chinesischer Kader von höherem Rang wie folgt zitiert wurde:
«Wir haben es nicht nötig in einen Dialog mit dem Dalai Lama einzutreten. Die Rückkehr des Dalai Lama nach China birgt ein großes Risiko der Instabilität in sich. Es wird uns dann nicht mehr möglich sein Tibet zu kontrollieren. Der Dalai Lama ist nun ziemlich alt. Spätestens in 10 Jahren wird er sterben. Wenn er tot ist, ist die Tibet-Frage für immer gelöst. Wir müssen deshalb geschickte Methoden anwenden, um seine Rückkehr zu verhindern. Falls dies tatsächlich der Beschluss Pekings ist, so kann dieser Ansatz bezüglich der Tibet-Frage nicht simpler oder törichter sein. Während China eine wichtige globale Macht mit dem Potential ist, eineführende Rolle unter den Nationen einzunehmen, so ist das Land selbst sein größter Feind. Die Ignoranz mit dem Dalai Lama zusammenzuarbeiten, steht an oberster Stelle der selbstzerstörerischen Tendenzen des Landes.»

Das Zitat des hochrangigen chinesischen Kaders beantwortet eine Frage, über die Regierungen und Beobachter von China lange gerätselt haben.
Warum errichtet China ständig Barrieren für Verhandlungen? Und dies trotz des verbindlichen Angebots des Dalai Lama eine Lösung innerhalb des Rahmens der Volksrepublik China zu finden. Die Antwort darauf ist, dass China hofft, nicht mit dem Dalai Lama verhandeln zu müssen. Doch ist es tollkühn für Peking zu glauben, dass es solange warten kann, bis der Dalai Lama von der Bildfläche verschwunden ist. Er ist er Mitte 60, weit jünger als viele der politischen Führer der Welt heutzutage. Abweichend von anderen politischen Führern, die ihre Ämter nur für eine begrenzte Zeit innehaben, hat der Dalai Lama eine solche Begrenzung nicht. Vielmehr übertrifft seine moralische Autorität die seiner politischen Position und die Hingabe der Tibeter an den Dalai Lama ist weiterhin stark und wird künftig noch stärker werden.

Natürlich würde ohne den Dalai Lama die Tibet-Bewegung Rückschläge erleiden. Aber je länger die chinesische Regierung bei der Lösung der Tibet-Frage wartet, desto größer wird der Groll und die Missachtung und es wird schwieriger sein die Tibeter von einer anderen Lösung als die der Unabhängigkeit Tibets zu überzeugen. Dann besteht die Gefahr der Entstehung einer extremeren Führung. Der Tod des gegenwärtigen Dalai Lama im Exil würde die tibetische Widerstandsbewegung gegen die chinesische Besatzung unsterblich machen. Es würde dann für künftige tibetische oder chinesische Führer sehr schwer sein eine Lösung zu finden.

Falls die chinesischen Führer Frieden in Tibet und Stabilität in der Volksrepublik China wünschen, so brauchen sie Hilfe des Dalai Lama. Sobald China auf das Angebot des Dalai Lama eingeht, könnte der Dalai Lama seine moralische Autorität einsetzen, um eine erfolgreiche Implementierung einer durch Verhandlungen erzielten Einigung zu gewährleisten.

Eine friedliche Einigung in Tibet könnte dann unruhigere Regionen wie z.B. Ost Turkistan, auch unter dem Namen Xinjiang bekannt, überzeugen, dass bei der Lösung von Problemen Dialog effektiver als der Griff zu den Waffen ist und dass China fähig ist Andersartigkeit zu respektieren. Da ebenso Zentralasien beginnt, seine historische Rolle zu bekräftigen, könnte ein stabiles Tibet viel zum Frieden in dieser sensitiven Region beitragen.

Weiterhin sind freundliche Beziehungen zwischen Indien und China nur möglich, wenn die gegenwärtige instabile Lage auf dem tibetischen Plateau verschwindet. Einige behaupten, dass die Gründe für die Bewegungslosigkeit Chinas in der Tibet-Frage darin zu finden sind, dass Taiwan auf der Tagesordnung Chinas einen viel höheren Stellenwert einnimmt. Dies mag wahr sein. Es ist jedoch kurzsichtig zu glauben, dass diese beiden Angelegenheiten isoliert voneinander zu sehen sind. Im Gegensatz dazu könnte eine akzeptierbare Lösung in Tibet das Vertrauen der Führer und Menschen von Taiwan und von Personen und Regierungen auf der ganzen Welt gewinnen.

Seine Heiligkeit der Dalai Lama ist die Lösung der Probleme in Tibet. Falls der politische Wille vorhanden ist, gäbe es keine größeren Hürden für Verhandlungen, wenigstens nicht über die fundamentalen Punkte. Das größte Anliegen Chinas ist die Einheit der Volksrepublik China und der Dalai Lama legt sich darauf fest, nicht die Unabhängigkeit zu fordern. Die Führer Chinas sollten auch Zusicherungen über den Status Tibets erneut prüfen, die von Mao Zedong, Zhou Enlai, Hu Yaobang, Deng Xiaoping und anderen abgegeben wurden. Der Dalai Lama ist auch einer der stärksten Befürworter für Änderungen und hat nicht den Wunsch Tibet zum System zurückzuführen, dass vor 1959 dort existiert hat. Es muss aber gesagt werden, dass die kommunistische Politik Chinas, die in Tibet seit Jahrzehnten Anwendung findet die Wurzel aller Probleme dort ist und somit umgekehrt werden muss.

Die chinesische Führung sollte mit dem Dalai Lama zusammenarbeiten, dessen Engagement für Gewaltlosigkeit und Verhandlungen unerschütterlich bleibt. Ein solcher Dialog würde in ganz Asien einen positiven Widerhall haben und würde China die Anerkennung verschaffen, die es benötigt, um von der internationalen Gemeinschaft voll anerkannt zu werden.

Übersetzt von M. Kirchner


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23-Mar-00; 5:57:41 PM www.tibetfocus.com
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